Kaspar Hauser das Kind Europas, das nicht das Kind Badens, sondern des bürgerlichen Napoleons und dessen Adoptivtochter sein soll - wie skandalös. Wenn man sich aber, wie Autor Jan Gaspard in seinem Hörspiel "Menschenopfer" von seinen Hörern fordert, das Bild des berühmtesten Findelkindes tatsächlich mit dem von beispielsweise Napoleon II (starb ein Jahr vor Hauser, ebenfalls eines unnatürlichen Todes), ist die Ähnlichkeit tatsächlich frapant. Die Konsequenzen sind dabei unglaublich weitreichend, war doch so der Tod Hausers Garant für die dann tatsächlich erfolgte Restauration des alten Adels in Europa, der sich nach dem Tod der verschiedenen Napoleons (und Hausers) noch weitere 80 Jahre im Sattel hielt - bis zum 1. Weltkrieg. So wird aus einem mysteriösen Mord im fränkischen Ansbach eine irre Politposse, die Autor Jan Gaspard schlüssig in die Gegenwart führt, wo neue (wirklich fiktive?) Protagonisten das Geschehen zu wiederholen scheinen. Wirklich ganz großes Kino! Am Ende bleibt die Frage übrig: Hat dieser Gaspard wirklich Recht? - Wenn ja, müssen einige Geschichtsbücher wohl neu geschrieben werden. Meiner Meinung nach einer der besten Historienkrimis der letzten Jahre!