Die Kritikpunkte an den Hörspielen der neuen Ära von Offenbarung 23 sind zwar von Episode zu Episode ähnlich, aber so ist das nunmal, wenn von Seiten der Drehbuchschreiber neue Folgen scheinbar nur nach Schablone "23" entstehen und neue Impulse bzw. Veränderungen fehlen.
Das einzige, was sich ändert ist das grundlegende Thema, das ganze drumherum bleibt fast komplett gleich.
Von Erzähler Helmut Krauss gibt es dabei diesmal ein großes Versprechen vorneweg, nämlich dass wir mehr über die Hintergründe von Toms mysteriöser Entführung erfahren sollen, die den großen Bruch zwischen der alten und neuen Offenbarung eingeleitet hatte. Dies lässt eigentlich erwarten, dass die neueste Episode mal nicht nach den sonst üblichen Schema verläuft. Doch dem ist nicht wirklich so.
Alles beginnt mit einem Blackout, als 3B in ihrer WG gerade dabei sind, gemeinsam ihr Abendessen zuzubereiten. Ein kurzer Blick auf die Straße offenbart, dass nicht nur ihre Wohnung vom Stromausfall betroffen ist, sondern scheinbar ein größerer Bezirk Berlins. Wie sie wenig später in Jürgens Fettnapf erfahren, ist sogar ganz Berlin betroffen. Im Radio vernimmt Tom schließlich eine Stimme, die ihm unheimlich bekannt vorkommt - die Stimme Nadja Uljanows.
Ich hatte das, was sich in nahezu jeder Folge seit dem Neustart abspielt in einer der vorherigen Rezensionen mal als "Rundreise" betitelt und dies trifft eigentlich noch immer zu. Nachdem sich 3B auf den Weg zu Jürgen gemacht haben und dort mit Informationen gefüttert worden sind, leihen sie sich dessen Trabi, um damit die bereits bestens bekannten Stationen abzuklappern. Abwechslung ist damit natürlich schon im Vorfeld ausgeschlossen. Sonderlich spannend fallen die Ereignisse erneut nicht aus. Es ist der gewohnte Mix aus Pseudo-Agenten-Gerede - gerade die plumpen Dialoge der Gegenseite erinnern mehr an eine Parodie, denn dass sie echtes Bedrohungspotential enstehen lassen würde - eher belanglosen Dialogen mit den immer gleichen Figuren und den einem inzwischen wirklich massiv zum Hals heraushängenden wiederholenden Beschreibungen seitens des Erzählers Helmut Krauss. Wobei dieser natürlich nichts dafür kann und seine Sache nach wie vor bestmöglicht macht.
Wenn wir schon beim Stichwort Sprecher sind. Ohne Zweifel macht es Spaß einem hochkarätigen Sprechertrio wie David Nathan, Dietmar Wunder und Marie Bierstedt zu lauschen. Dazu noch die ganzen namhaften Nebenrollen - wobei dieser Begriff so auch nicht mehr wirklich zutreffend ist, da sie ja so ziemlich in jeder Episode auftauchen und sich eigentlich so gut wie nie neue Charaktere dazu gesellen (auch das ein deutliches Indiz für das Arbeiten nach dem Schablonenprinzip) - da vermag schon ein ordentlicher Unterhaltungswert aufzukommen. Wenn schon weniger inhaltlich, dann doch aufgrund der tollen Sprecherdarbietungen.
Die akkustische Aufbereitung seitens der Musik fällt in eine ähnliche Kategorie. Stimmig und absolut überzeugend. Vor diesem Hintergrund ist die schwache Arbeit beim Drehbuch doppelt schade.
Wäre allein das ganze drumherum ein wenig ernsthafter angelegt, so wäre das Finale sicherlich um einiges packender ausgefallen. So aber tut man sich schwer von wirklichem Thrill zu sprechen. Ein gewisses Grundpotential möchte ich dem ganzen keineswegs absprechen, nur nutzt man dieses viel zu wenig aus.
Fazit: Es kommt wohl ganz darauf an, welche Erwartungen man an die Serie hat: seichte Unterhaltung oder aber spannender Verschwörungsthriller. Zumindest letzteres wird ja eigentlich sehr deutlich suggeriert. Es finden zwar sehr wohl Verschwörungen statt - aber eher auf Stammtisch-Niveau. Ohne Zweifel war auch vor dem Umbruch in dieser Richtung längst nicht alles gut, aber auf diesem Wege wird es leider nicht besser. Somit verharrt Offenbarung 23 weiterhin auf durchschnittlichem Niveau. Einer tollen akkustischen Aufbereitung stehen zwar kurzweilige, aber dafür wiederholungslastige und zumeist wenig spannende Drehbücher gegenüber.