Kriegsmetaphern sind im Metal Bereich seit jeher beliebtes Ausdrucksmittel für die Beschreibung der dem Genre eigenen Urgewalt und positiv assoziierten Aggressivität. So sind die Klischees auch allesamt über das zumutbare Maß ausgelutscht. Die so genannte Fachpresse muss sich aufgrund des limitierten Vokabulars eigentlich vor sich selbst langweilen. Wie oft wurde von Double Bass der Marke Panzerdivision oder von alles in Schutt und Asche legenden Gittarrenriffs geschrieben? Und genau diese Beschreibungen hätten eigentlich nicht so inflationär gebraucht werden dürfen, um sie der einzig wahren Vertonung einer Kriegsszenerie vorzubehalten: "... of frost and war", der brutalsten und kompromisslos härtesten Scheibe seit Jahren! Allen Kinderbands, die bis heute meinen, es reiche aus, die Gitarre tiefer zu stimmen, schlechtes Gene Simmons Make Up aufzutragen und die Matte kreisen zu lassen, sei geraten, sich hier eine Lektion in Sachen authentischer Härte abzuholen. Hail of Bullets gelingt es, mit altbekannten Zutaten einen Eintopf aus der Gulaschkanone zu zaubern, der ab sofort den Standard der Feldküche definiert. Allen voran schreit Martin van Drunen (Legendenstatus bereits vor Hail of Bullets durch sein Mitwirken bei den Bands Pestilence, Comecon, Asphyx, Submission, Bolt Thrower, Death By Dawn) seine niederländische Veteranen-Band um Mitglieder der Bands Thanatos und Gorefest durch diesen Soundtrack zum Ostfrontkrieg der deutschen Wehrmacht gegen Stalins Truppen. Schwierige Kost, riskant in der Ausführung. Immer Gefahr laufend, sich hiermit das falsche Publikum einzufangen, versichert ein Blick in die der CD beiliegenden Texte, dass es sich zumindest vordergründig in keinem Fall um ein politisch motiviertes Album handelt. Vielmehr gibt van Drunen den Geschichten erzählenden Guido Knopp des Death Metal. Oftmals mit deutschen Begriffen (Einsatzgruppen, Nebelwerfer, Nachthexen, Hinterland, Bunker, Kesselschlacht etc) gespickt, wäre es wohl unangebracht, hier davon zu sprechen, dass es "Spaß" macht, ihm zuzuhören, wenn er von den gräulichen Kriegsgeschehnissen berichtet. Hail of Bullets vertonen die Hölle des zweiten Weltkriegs und versetzen den Zuhörer direkt an die Ostfront. Van Drunen kreischt, dass es einem eiskalt den Rücken runterläuft. Old school Death Metal der bewusst primitiven und in dieser Machart gekonnten Sorte. Kein Experiment zu viel. Auf Gitarrensoli wird zum Glück fast vollständig verzichtet. Stattdessen stellen Hail Of Bullets alle Zweifler an die hier wirklich einmal beim Wort zu nehmende Soundwand. Quietschende, rostige alte Panzer fahren vor dem geistigen Auge durch den Proberaum. Geschichtsunterricht einmal anders. Der brutale Kriegsalbtraum wechselst zwischen Uptempo und Doom-Passagen. Während van Drunens ehemaliger Pestilence-Wegstreiter Patrick Mameli auf seinem letzten Album textlich auf dem Niveau eines 14-Jährigen stehen geblieben ist, haben Hail Of Bullets ein stimmiges und packendes Gesamtkonzept aufgefahren, das noch genug Stoff für mindestens 10 weitere Alben liefern dürfte. Mehr davon! Daumen hoch Richtung Holland!