Nachden das Kollektiv Jazzanova sich durch Remixe und Kollaborationen einen Namen gemacht hat, war das erste Album "In Between" überambitioniert und trotz brillanter Ideen ein wenig zu verkopft, um direkt ins Herz zu gehen
Bei "Of All The Things" entstehen neue Impulse durch einen doppelten Verweis auf die Vergangenheit. Einerseits fällt der Blick auf die Hoch-Zeit des R&B in den 60 und 70-Jahren, anderseits erinnert man sich an den letzten Retrotrend in den Neunzigern, der maßgeblich durch die "Mojo Club" Sampler und Bands wie US3 geprägt wurde.
So oder so, die schwarzen Einflüsse bescheren dem ehemals kühl zugerichteten Elektronik-Jazz die nötige organische Wärme.
Schon der Opener erinnert mit schmutzigem Gitarrensample und geschmeidigen Vocals an Künstler wie Isaac Hayes, und "Let Me Show Ya" zitiert bishin zu den hymnischen Geigen genüsslich Motown, scheinen wie "I Can See" direkt einem Shaft-Soundtrack zu entspringen, oder verneigen sich vor dem Schlafzimmersoul von Barry White ("Rockin' You").
Doch Jazzanova gehen noch weiter und versucht sich mit "Lie" an einer charmanten Beatles-Reminiszenz.
Im zweiten Teil wird das Album noch stärker, weil es die neu gefundene Wärme mit den jazzigen Strukturen und gewagten Harmonien verbindet, mit denen die Band bekannt wurde. Höhepunkt ist das berührende "Little Bird", dass sich von einer intimen Pianoballalade zu einem geigenunterlegten hymnischen Finale aufschwingt, doch auch der abgehangene Rap "From Home" und das vertrackte "Morning Scapes" schaffen diese faszinierende Fusion. Wie bei Jazzanova üblich, rutscht die Musik niemals in die gefälligen Lounge-Sampler ab, sondern behält stets genug Überraschungen und Widerhaken.
Auch wenn das Ergebnis nicht ganz den stilistischen Wagemut des Vorgängers erreicht, so versöhnt die neu gefundene Zugänglichkeit und eine bisher nicht gefundene Wärme und macht dieses Album letztlich bekömmlicher.