Es ist erstaunlich wie viel Fantasie manche Menschen bisweilen aufbringen können. Die dänische Autorin von ODINS INSEL arbeitete für die UNO in Tansania, war die rechte Hand des Chefs der UNO-Friedenstruppe in Mosambique und hat für eine weitere UNO-Organisation in New York gearbeitet. An ihrem Debutroman hat sie ganze vier Jahre geschrieben und sich in dieser Zeit fast vollkommen von der Welt zurückgezogen. Das Ergebnis ist eine ergreifende Geschichte von einem kleinen, weltfremden Mann, der die Geschicke der Welt gehörig durcheinander bringt.
Eigentlich will Odin nichts anderes als so schnell wie möglich seinem Pferd helfen, welches sich in einem Meteoritensturm das Bein gebrochen hat, damit er die überaus wichtigen Botschaften überbringen kann, mit denen er losgeschickt wurde. Allein mit dieser Absicht tritt er eine Lawine von Ereignissen los, die einen ganzen Kontinent bis hin zum letzten Bürger und bis in die letzte staatliche Instanz zu überrollen droht. Und alles nur, weil er sein Pferd in einem Stall auf einer Insel verwahrt hat, deren Existenz nicht dokumentiert ist. Zunächst wird Odin - wie könnte es anders sein? - in eine Psychiatrie gesteckt, dann rufen ihn verschiedenste religiöse Gruppen zu ihrem neuen Messias aus, verschiedenste Minister stehen Kopf und die Monarchin des Landes interessiert sich plötzlich brennend für die Geschichte ihres Landes.
Die dänische Zeitung Weekendavisen ist begeistert: „Was für ein Buch! Es ist alles in einem: Zivilisationskritik, Gesellschaftssatire, Spannungsroman, Schicksalserzählung, himmlische Liebesgeschichte - eingebettet in eine fabulierfreudige, mystische Sprache ..."
Und damit hat die Zeitung meiner Meinung nach alles Wichtige zum Inhalt gesagt.
Janne Teller bedient sich in ihrer Erzählung einer einfachen Sprache, deren Satzbau und Wortwahl bisweilen an eine Kindererzählung oder ein Märchen erinnert. Der Blickwinkel des Lesers entspricht bald Odins Sichtweise und entsprechend irritierend und beängstigend wirken die Reaktionen der modernen, aufgeklärten Bewohner des Kontinents auf den Leser. Alles erinnert ein wenig an die Pentagon-Action bei der Entdeckung ETs, nur dass diesmal nicht nur die Regierung, sondern eine gesamte Gesellschaft mit dem Besucher konfrontiert wird.
Fazit: Das Buch bietet leichten (weil locker lesbaren), aber (aufgrund der gesellschaftskritischen und intelligenten Geschichte) nicht seichten Lesestoff, und eignet sich somit besonders gut für Leute, die gerne lesend entspannen.