Eigentlich, schreibt Eric-Emmanuel Schmitt in einem kleinen Nachwort zu dieser Sammlung von Geschichten, hätten diese gar nicht entstehen dürfen. Während der Vorbereitungen zu seinem ersten Film, der in diesem Herbst auch in die deutschen Kinos kommt, hat er neben sieben weiteren, zum Teil einfach wundervollen Geschichten die Rahmengeschichte seines Filmes unter dem Titel "Odette Toulemond" zu Papier gebracht. Er tat es quasi heimlich, während der Drehzeit, morgens vor dem Frühstück oder abends in seinem Hotelzimmer. Lange seien sie schon in ihm gewesen, berichtet er, und nach der Lektüre dieser acht ausnahmslos lesenswerten Geschichten muß man sagen, es wäre ein großer Verlust gewesen, hätte er seinen Vertrag eingehalten , und während der Dreharbeiten nicht geschrieben.
Seine Geschichten handeln von Frauen; es sind Liebesgeschichten ganz eigener Art, mit viel Hingebung erfunden und mit einer Phantasie ausgestattet, die man selten findet. Eric-Emmanuels Schmitts Geschichten erinnern in manchen Teilen an Texte von Paulo Coelho, und obwohl sie mit Fug und Recht spirituell genannt werden können, kommen Schmitts Texte nicht so missionarisch daher wie manche der Geschichten Coelhos.
Da ist zum Beispiel die Milliardärin Wanda Winnipeg, die nach vielen Jahrzehnten des Aufstiegs eines Tages nicht nur mit ihrer Herkunft aus einfachen Verhältnissen, sondern auch mit ihrem ersten Liebhaber konfrontiert wird. In einer anderen Geschichte erlebt eine Frau namens Helene, daß sie trotz jahrzehntelang unterdrückter Gefühle für sich selbst, viele Jahre nach dem Tod des Mannes, der sie unendlich liebte, doch noch fähig ist, wirkliche Emotionen zu spüren und sie einem anderen Mann zu zeigen.
"Odette Toulemond", jene Geschichte, die dem Film, auf den die Fans von Eric-Emmanuel Schmitt sich wirklich freuen können, seinen Titel gab, spielt im Milieu, in dem sich Schmitt bestens auskennt. Ein berühmter Schriftsteller namens Balthazar Basan, gerät nach einer vernichtenden Rezension seines neuesten Buches in eine große Krise und verliert jeglichen Lebensmut. Eine junge Witwe namens Odette Toulemond ( zu übersetzen mit "Jedermann"), verschlingt seine Bücher geradezu. Ohne kitschig zu sein, machen sie ihr immer wieder Mut ihren tristen Alltag zu bewältigen. Als sie Balsan auf einer Lesung begegnet, und er sie nach ihrem Namen fragt, kann sie vor Aufregung nicht sprechen. Später hört sie aus der Zeitung von der schlechten Presse, die Balsan aktuell hat und schreibt ihm einige aufmunternde Zeilen. Als er sie besucht und für einige Zeit in ihrer Wohnung Unterschlupf findet, hat er sich schon längst in die einfache, aber für ihn absolut begehrenswerte Frau verliebt. Doch Odette versucht zunächst, Balsan mit seiner bisherigen Partnerin zu versöhnen, was seine Liebe zu ihr noch steigert.
Ich bin gespannt auf den Film, wie dort diese wunderbare Geschichte umgesetzt wurde. Obwohl ich selten ins Kino gehe, diesen Film werde ich mir im Herbst nicht entgehen lassen.
"Odette Toulemond und andere Geschichten" ist ein weiteres Meisterwerk aus der Feder eines Schriftstellers, der die Kunst der feinfühligen Sprache beherrscht wie kaum ein anderer. Sie suchen ein Geschenk für ihre Frau oder Freundin, eine Aufmerksamkeit für eine Kollegin oder Kundin: mit diesem Buch können sie nichts falsch machen.