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Odessa und das Vierte Reich: Mythen der Zeitgeschichte
 
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Odessa und das Vierte Reich: Mythen der Zeitgeschichte [Broschiert]

Heinz Schneppen
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Broschiert: 279 Seiten
  • Verlag: Metropol; Auflage: 1., Aufl. (30. Januar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3938690526
  • ISBN-13: 978-3938690529
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 12,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 501.332 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Heinz Schneppen zerstört die Mythen, indem er zeigt, wie es zur Mythenbildung kam. Das Buch ist ein Lehrstück für einen kritischen Umgang mit den Quellen. Es ist spannend im Inhalt, flüssig im Stil, umfassend in der Recherche, überraschend im Ergebnis.

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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Die Demontage eines Mythos, 26. Januar 2009
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Odessa und das Vierte Reich: Mythen der Zeitgeschichte (Broschiert)
Als Zeitgeschichtler und Botschafter a. D. bringt Heinz Schneppen nicht nur theoretisches, sondern auch praktische Erfahrung aus dem diplomatischen Dienst mit und rollt mit "ODESSA und das Vierte Reich" nicht nur die Entstehungsgeschichte des Mythos einer SS-Fluchthilfe für Kriegsverbrecher auf, sondern setzt auch zu einer umfassenden Kritik an bisher erschienen Werken wie Uki Gonis "ODESSA: Die wahre Geschichte" oder Frederick Forsyths mit Unterstützung Simon Wiesenthals entstandenen Thriller "Die Akte ODESSA" an. Das Ergebnis ist ein informatives Werk und Musterbeispiel für Quellenkritik, in dem die Verschwörungstheorie nicht nur widerlegt, sondern auch keine neue an ihre Stelle gesetzt wird.

Den Nazis zu schwarz, der Kirche zu braun, war es der großdeutsche Bischof Adolf Hudal, den seine Furcht vor dem Bolschewismus, trotz zweitweise scharfer Kritik am Nationalsozialismus schließlich in eine bedenkliche Nähe zu diesem führte und zu einem der Hauptakteure und Verantwortlichen für die Fluchthilfe werden ließ. Nach dem Wegfall der nördlichen Fluchtrouten, wie etwa über Dänemark verlagerte sich der Strom flüchtiger Kriegsverbrecher schließlich über Tirol, Südtirol, die Schweiz und Italien, wo man unter Vortäuschung falscher Tatsachen von kirchlichen Stellen die nötigen Dokumente zur Ausreise erhalten konnte. Die überforderten Ämter sahen sich kaum im Stande die Identitäten jedoch zu prüfen und aufgrund des Abzugs der alliierten Truppen musste in der Menge der Flüchtlinge auch kaum jemand seine Enttarnung fürchten.

Glaubt man dem Journalisten Uki Goni gingen die meisten Nazis nach Argentinien, wo Gegner Juan Perons, diesen schon in den 50er-Jahren in Verbindung mit Nazis brachten, doch erst Goni gelang mit seiner aufsehenerregenden Publikation eine breite Öffentlichkeit damit zu erreichen und auch international Anerkennung zu erreichen. (S. 202) "Gonis Verdienste als Forscher sind unbestritten. Er hat Quellen erschlossen, die andere unbeachtet ließen. Wer sich mit dem Thema befasst, wird von Gonis profitieren, sofern er mit der notwendigen Umsicht verfährt. Denn Gonis Interpretation der Quellen ist von seinen Prämissen bestimmt. Quellenkritik ist nicht seine Stärke. Geheimdienstberichte werden zum Nennwert genommen, zeitgenössische Zitate nicht auf ihre Authentizität befragt. Zu schnell fügt sich alles zu einem schlüssigen Bild. Manches ist bekannt, anderes neu. Aber vieles wirkt spekulativ, konstruiert oder überzogen." Denn (S. 197-198) "alle argentinischen Beiträge zu diesem Thema sind immer auch als Teil einer innenpolitischen Auseinandersetzung zu verstehen."

Trotz seiner beachtenswerten Entdeckungen gelingt es Goni nämlich anhand der Fakten nicht nur den ODESSA-Mythos zu widerlegen, sondern ihn durch den Mythos von einer Fluchthilfeorganisation Perons, einer Art joint-venture mit den Nazis, zu ersetzen, dessen Ziel es war, Argentinien zur führenden Nation Südamerikas zu machen. Es ist auch problematisch wenn Goni dazu neigt (S. 203) "Behauptungen Dritter ungeprüft zu übernehmen, sofern sie ihm plausibel erscheinen. Das von ihm zitierte geheime "Manifest" vom 3. Mai 1943, in dem Peron und seine Mitverschwörer sich angeblich als Anhänger Hitlers bekennen, ist längst als Fälschung entlarvt. Wenn Goni von Tomas Eloy Martinez Perons apokryphe Äußerung aus dem Jahre 1970 übernimmt, dass Argentinien Deutschland im März 1945 den Krieg nur deswegen erklärt habe, um die geplante Fluchtbewegung der Nazis vor den Alliierten abzuschirmen, mutet er dem Historiker einiges zu."

Indem Schneppen Gonis Theorie relativiert, widerlegt er den ODESSA-Mythos endgültig und holt den Leser nach einer möglichen intellektuellen Hyperventilation wieder auf den Boden der Tatsachen, wo sachliche Fehler deutlich machen, dass es den Mythos zwar gibt, die Realität aber nicht so einfach ist. Man stimmt dem Autor gerne zu, wenn er abschließend formuliert (S. 217): "Als Mittel eines geheimen Weltverständnisses werden die Mythen ihre Faszination behalten. Man kann sie zwar im Detail ad absurdum führen. Aber die Stärke der Verschwörungsmythen besteht im Paradox, dass man das, was nicht existiert, auch nicht widerlegen kann." Allerdings kann man es ihm zum Vorwurf machen, dass die Essenz seines Werkes auf Kritik basiert, er erzählt weniger selbst, als er Bezug und Stellung nimmt.

Fazit:
Ein Werk das zwar unter dem Eindruck steht, dass der Autor sich allein durch Kritik zu profilieren versucht, dennoch öffnet es einem gerade deshalb die Augen für die Verklärung der komplexen Zusammenhänge, welche zum Mythos geführt haben.
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