Michael Hennemann ist Geograf und Radwanderer und hat für uns den Oder-Neiße-Radweg bereist. Wir sind im Erscheinungsjahr 2011 den gesamten Weg abgefahren und hatten das Buch im Reisegepäck.
Im ersten Teil beschreibt Michael Hennemann den Verlauf des Radweges und macht Appetit auf die Tour. Manche Punkte bei der Vorbereitung werden ein wenig arg breit dargestellt. "An- und Abreise" zum Beispiel: Das meiste weiß jeder, der schon einmal mit dem Rad in der Bahn gefahren ist, alle Neulinge werden sich ja sowieso erkundigen. Und weil es so schön war, wird alles auf Seite 157 ("An- und Abreise") noch einmal zusammengefasst.
Im Tourenteil bekommt man nützliche Kurzinfos über Tourenlänge, Einkehr und Anderes, knackig kurz auf einer Seitenspalte. Dazu einen Kartenausschnitt, Infos über die wichtigsten Orte und allerlei sonst noch Wissenswertes. Hennemann bekommt die sprachlich exakte Tourenbeschreibung meist gut hin. Nur gelegentlich standen wir ratlos im Gelände und stellten die uralte Frage: "Was will uns der Dichter mit diesem Satz eigentlich sagen?"
Die Aufteilung der Gesamtstrecke in einzelne Tourensegmente erscheint hilfreich, zumal viele Radwanderer, die wir getroffen haben, nicht die Gesamtstrecke zurücklegen. Ein paar Tipps für alternative Möglichkeiten (z.B. Spreewald, Märkische Heide) wären sicher für all jene sinnvoll, die nicht nur auf dem Oderdeich fahren wollen.
Also ein durchaus lesenswerter Autor. Jetzt kommt das große ABER: Warum benutzt der Verlag so ein unmögliches Format? Es passt in keine Lenkertasche, zudem ist das Buch schwer und unhandlich. Auf jeder Seite bleibt etwa 1/3 unbedruckt, als breiter Rand (Ausnahme: bei Fotos). Als Reise- bzw. Tourenführer würde der Tourenteil ganz gut taugen, wenn er nicht so sperrig wäre.
Die Teile "Tourenplanung" und "Reparaturwerkstatt" sind m.E. in diesem Buch völlig überflüssig. Die Fragestellungen sind im Zusammenhang mit dem Ziel des Buches (Oder-Neiße-Radweg) z.T. banal ("Ein stabiler Gepäckträger über dem Hinterrad nimmt die Gepäckt" - Anmerkung: Ja soll denn einer sein ganzes Rad umbauen, um auf dem Deich an der Oder entlangzufahren?). Kräftig in den Vordergrund gerückt wird das product placement: Wer das Buch kauft, bekommt in den genannten Teilen eine Menge Werbung mit serviert! Wenn so ein allgemeiner Teil für irgendwen wertvoll sein sollte, dann eher als kleines, separates Büchlein. Man könnte es dann nämlich einfach zu Hause lassen oder entsorgen.
Schlecht brauchbar für low-budget-biker sind am Ende des Buches die Bett&Bike-Adressen, weil ohne Angabe des Preissegments. (Das kann der Bike-Line eindeutig besser.)
Fazit: Ich würde mir trotz des passablen Textes das Buch nicht mehr kaufen, denn es ist weder Fisch (Lenkertaschenbuch) noch Fleisch (Reisevorbereitungsbuch). Das Layout ist oberflächlich (u.a. falsches Foto auf S. 80 - hat wohl keiner bemerkt!?). Die gut gemachten Fotos zeigen häufig Hennemanns ansehnliche Reisegefährtin, einzelne Häuschen, Hüttchen, auch Heubetten und Straßenschilder, aber relativ wenig Landschaft, die einen Gesamteindruck als Vorstellungshilfe vermitteln könnte. Es gibt in Deutschlands Osten viel zu sehen, z.B. herrliche Naturparks und einen Nationalpark. Hennemann ist Landschaftsfotograf - er könnte uns da eigentlich vieles zeigen!
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