- "Er fragte sich, ob sie den Höhepunkt der Epidemie bereits erreicht hatten oder ob dies lediglich der Anfang vom endgültigen Ende war. Wahrscheinlich konnte diese Krankheit oder eine ähnliche die Menschheit ausrotten. Wohin würden die letzten Überlebenden flüchten? Wohin flüchteten die Reichen jetzt? In ein abgelegenes Schloss? Es wäre auf jeden Fall eine großartige Idee für eine Geschichte." -
(Sören Prescher - Metzenger)
Wie jüngst Sherlock Holmes scheint auch Edgar Allan Poe ' ebenfalls nie wirklich 'tot' ' gerade ein breit aufgestelltes Comeback zu erleben. Der Film THE RAVEN - mit John Cusack als Edgar Allan Poe auf Mörderjagd - ist gerade abgedreht und nur einige Monate nach der Poe-inspirierten Anthologie DIE SCHATTENUHR (Blitz-Verlag) folgt nun ODEM DES TODES von der Poe-erfahrenen Herausgeberin Alisha Bionda. Die Besonderheit hier: Edgar Allan Poe tritt in allen Geschichten selbst als Protagonist auf. So wird Leben und Werk dieses düsteren Poeten auf außerordentliche Weise verknüpft.
Die meisten der AutorInnen ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, die möglichen Ursprünge der immer wieder kehrenden Themen in Poes Werk zu ergründen. Waren es persönliche Erlebnisse, die Poe selbst nachhaltig verängstigten und sich ein Ventil im geschriebenen Wort suchten (DIE GEISTER DER VERGANGENHEIT, SÜSSE LIEBE WAHNSINN, ODEM DES TODES, ADISIONS PFORTE)? Waren die alkoholschweren Träume des Dichters die Inspirationen für seine Geschichten (AUF MESSERS SCHNEIDE, DUNKEL SIND DIE KAMMERN DEINER TRÄUME)? Oder war es ein unseliger Handel, dem Poe sein Talent und die Wahl seiner Motive verdankt (METZENGER, DER HANDEL, SCHWARZ WIE BLUT)? Auf eindringliche Weise verschmelzen hier Fakt und Fiktion.
Nicolaus Equiamicus und Dieter Winkler zeigen in ihren Beiträgen dagegen einen vom Schmerz und Wut getriebenen, gewaltbereiten Poe, der wenig mit dem Bild eines empfindsamen Künstlers zu tun hat.
In Christian Endres Geschichte muss sich der Dichter gar im Jenseits für seine Taten verantworten. Sein Poem DER RABE erweckte die Aufmerksamkeit des Gottes Odin, den wir bereits aus Endres SHERLOCK HOLMES UND DAS UHRWERK DES TODES (Atlantis Verlag) kennen, wo er die Hilfe des Detektivs im Falle seines verschwundenen Raben in Anspruch nahm.
Die Titelgeschichte von Erik Hauser ' der mit Abstand längste Beitrag in diesem Band ' arbeitet schließlich sogar mit einer Geschichte innerhalb der Geschichte und funktioniert auf beiden Ebenen hervorragend.
Abgeschlossen wird die Sammlung von einem Essay über Edgar Allen Poe, verfasst von Florian Hilleberg, das in hinreichend kurzer Form die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben des Autors zusammenfasst. Hier wird auch deutlich, wie sehr sich die AutorInnen teilweise am realen Leben Poes orientiert haben.
ODEM DES TODES erscheint als Klappbroschur, wobei die Klappenmotive, ebenso wie die Cover-/Umschlag- und Innengrafiken von Crossvalley Smith erstellt wurden. Das Buch ist sehr gut verarbeitet und sieht auch nach dem Lesen noch neu aus. 'Look & Feel' der Anthologie entspricht damit den Sherlock Holmes-Anthologien DAS UNGELÖSTE RÄTSEL und DER VERWUNSCHENE SCHÄDEL von Alisha Bionda. Ebenso wie dort sind auch in ODEM DES TODES Kurzbiografien der AutorInnen, der Herausgeberin und des Künstlers enthalten.