pure.de
Als das 1996 erschienene Album Odelay sein Zehnjähriges feierte, machte sich der amerikanische Schriftsteller und Drehbuchautor Dave Eggers (Wie hungrig wir doch sind, Wo die wilden Kerle wohnen) auf zu einem spannenden sozialen Experiment: Er bereiste die Highschools zwischen Los Angeles, San Francisco und Oakland und sprach mit Teenagern über Becks Odelay. Von der 16-jährigen Kunstschülerin Yael Green wollte er wissen, ob sie eine Party anlässlich des Jahrestags des Albums gemacht habe. Die Antwort konnte nur eine sein: Wie bitte? Was? Das Frage-Antwort-Spiel mit den Schülern und Schülerinnen ist dokumentiert in der nun erscheinenden Deluxe-Version von Odelay - und lohnt allein schon den Kauf. Es ist ein beredtes Zeugnis über die Kurzlebigkeit des kollektiven Gedächtnisses, die begrenzte gesellschaftspolitische Relevanz von Kunst und ein ironischer Seitenhieb auf den heiligen Ernst der medialen Auseinandersetzung mit Musik. Erinnerst du dich daran, wie es war, als du das erste Mal Beck gehört hast?, will Eggers von Arianna Kandell, 17, wissen. Gehört hab ich das noch nie. Meinst du das, was da läuft? - Ja. Kommt dir das bekannt vor? - Yeah. Vielleicht etwas, was im Softrockradio öfters gespielt wird. In der Tat gelang es Beck mit Odelay, dem Nachfolger seines Major-Debüts Mellow Gold, sich die Aufmerksamkeit auch des Mainstream-Publikums zu sichern. Mit Devil's Haircut (hier neben dem Album-Track auch als Remix von Aphex Twin beziehungsweise Mickey P. enthalten), The New Pollution und Jack-Ass gelangen ihm veritable Hits - ohne dass er dafür den Galopp seines wilden Parforce-Ritts durch Folk, Country, HipHop, Pop und Easy Listening auch nur eine Sekunde hätte zügeln müssen. In den Dust Brothers hatte Beck ein kongeniales Gegenüber gefunden, was auch Inferno und Gold Chains zeigen, zwei Dust-Brothers-Produktionen aus den Odelay-Sessions, die es auf der Deluxe-Version erstmals zu hören gibt. Die zweite CD dieser Edition bündelt vornehmlich sehr rare B-Seiten, zu denen Beck ein sehr intensives Verhältnis pflegte: Hier präsentierte er sich - Electric Music and The Summer People und Lemonade sind nur zwei Beweisstücke - sehr viel rauer und ungehobelter als auf den Singles.