Zum Wegwerfen viel zu schade, dachte sich wohl Who-Bassist John Entwistle als er im Jahre 1974 die 11 Tracks zusammenstellte, die auf der ursprünglichen „Odds & Sods"-LP erschienen: Raritäten, B-Seiten, Outtakes und andere Titel, die es aus irgendwelchen Gründen nicht auf eine der vorhergehenden Veröffentlichungen der Who geschafft hatten. Jeder Who-Fan wird es ihm danken.
Die eigentliche Sensation ist jedoch diese liebevoll restaurierte Version von 1998. Die ursprüngliche Tracklist wurde mal eben um 12 Titel erweitert, darunter neun (!) unveröffentlichte. Wie schon bei dem grandiosen `94er Box-Set „30 Years of Maximum R&B" ist die Produktion (remastered) druckvoll und transparent, nie klangen The Who besser. Die einzelnen Songs wurden nunmehr in eine chronologische Reihenfolge gebracht, sämtliche Phasen der Band von 1964 bis 1973 werden abgedeckt. Aus der Frühzeit der Band stammen etwa die allererste Single aus dem Jahre 1964 und Mono-Versionen der treibenden Rock-Songs „Leaving Here" und „Baby Don't You Do It", die wieder mal die Klasse und Power unterstreichen, die The Who von allem Anfang an ausmachten. Zu den absoluten Höhepunkten zählt die „elektrische" Version von „Love Ain't For Keeping" aus den „Lifehouse/Who's Next"-Sessions. Einmal mehr unterstützt von Leslie West an der Gitarre wird dieser Song zum mitreißenden Hardrock-Jam, an dem kein Fan der Band vorbei kann. Mit weiteren Outtakes aus „Who's Next" („Pure and Easy") und „Quadrophenia" („We Close Tonight") und dem abgedrehten „Now I'm A Farmer" wird das Niveau nahtlos gehalten, ehe Studioversionen von "Water" und "Naked Eye" einen würdigen Schlusspunkt setzen.
Zum Charakter einer Werkschau der ersten Dekade der Band, die zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung von „Odds & Sods" vier Klassiker hintereinander abgeliefert hatte („Tommy", „Live At Leeds", „Who's Next", „Quadrophenia") tragen auch die humorvollen bis ironisch distanzierten Kommentare Pete Townshends zu den einzelnen Titeln bei.
Das Material auf „Odds & Sods" ist stärker als viele „reguläre" Alben erfolgreicher Rockbands von 1974 bis heute. Bei mir wandert diese Kollektion immer noch sehr häufig in den CD-Player.