...einer Ära. Peter Steele - Sänger, Songwriter, Textwriter und Bassist der Band Type O Negative starb am 14.04.2010 im Alter von 48 Jahren. "Tod einer Legende", wie mehrere (Online-)Zeitschriften dieses tragische Ereignis bezeichneten, trifft es im Kern.
Seine Musik wird die Menschen auch noch in vielen Jahren begleiten. Warum gehört die October Rust für mich zu einem der besten Alben der letzten 50 Jahre? Peter Steele und Type O Negative haben eine Musik geschaffen, die eine nahezu endlos tiefe Schönheit entfaltet, je öfter man sie hört. Dies gilt im Übrigen auch für die anderen Alben von TON.
Dieses Hörerlebnis möchte ich aus meiner eigenen Erfahrung schildern. Zunächst aber noch einige Anmerkungen: Type O Negative wird üblicherweise dem Metal zugerechnet, wenn man weiter in die Untergruppierungen geht dem Gothic-Metal. Ist auch nicht falsch, aber die Musik ist wesentlich mehr. Sie ist SO gut, dass ich behaupte, dass selbst Leute, die normalerweise mit "Metal" nichts am Hut haben, durchaus zu Type O Negative Fans werden können. Aber warum?
Beim ersten Hören des Albums fällt auf, dass die Jungs äußerst kreativ und vielschichtig zu Werke gehen. Allein der erste Track (nur das Geräusch einer kaputten Stereoanlage mit brummenden Boxen) hat mich (und viele andere) beim ersten Hören kurzzeitig latent geschockt. "Oh nein, was ist bloß mit der Anlage? Oder ist die CD kaputt?" Einfach herrlich. Ein typischer Spaß der Band.
Auf dem Cover bezeichnet die Band sich selbst und ihre ihre Musik mit "functionless art is simply tolerated vandalism. we are the vandals." Type O Negative haben andere, und erst recht nicht sich selbst jemals ernst genommen. Eine Seltenheit, bei einer weltweiten Berühmtheit.
Die Lieder glänzen durch sagenhaften Detailreichtum und durch eine Abwechslung, die seinesgleichen sucht. Wenn man sich in die Musik "hineinfallen" lässt, hat man an vielen Stellen das Gefühl, als würde man auf der Spitz eines Berges über endlose Weiten in den Sonnenuntergang schauen. Die typische Assoziation "Metal", mit hackendem Schlagzeug und harten Gitarrenriffs passt an vielen Stellen nicht. Ruhige Klavierpassagen, stimmungsvolle Keyboardtöne und langsame Gitarrenakkorde dominieren über weite Strecken. Eine Klaviersonate ist diese CD natürlich trotzdem nicht ;-)
Soviel zum Anfang. Und dann? Man hört das Album wieder. Und wieder. Und wieder. Weil man erst nach und nach in der Lage ist, dieses Gesamtkunstwerk komplett zu erfassen. Bei jedem Hören fallen einem neue Details auf - mir ging das selbst nach vielen Jahren noch manchmal so. Mit der Zeit verschmelzen die einzelnen Songs zu einem Gesamtkonzept, ohne dabei selber an Individualismus zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Das Album und die Musik "wächst" an allen Ecken und Enden.
Irgendwann fängt man an, sich mit den Texten zu befassen. Zunächst wirken diese oft düster und depressiv. Dann entdeckt man darin plötzlich eine tiefe Liebe zum Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Und noch später entdeckt man, dass sich Peter Steele eigentlich über viele der besungenen Dinge lustig macht. Wer sich mal ein Interview mit Peter Steele auf Youtube ansieht oder im Archiv einer Zeitschrift liest, wird merken, was ich meine.
Nachdem wieder einige Zeit vergangen ist, fällt einem plötzlich auf, dass man die Platte ganz bewusst auflegt, weil Musik und Lyrik von Peter Steele "die Seele erreichen". Wie mal jemand sagte: "Type O Negative berührt Regionen in unserem Gehirn, wo kaum eine andere Musik vorzudringen vermag". Das hört sich ziemlich abgehoben an - aber mir persönlich ging es so, und vielen anderen Leuten auch. Alle Fans werden an dieser Stelle nicken.
Die Musik von Type O Negative kann in sämtlichen Lebenslagen gehört werden. Sie macht gute Stimmung noch besser, und hilft, Trauer erträglich zu machen. Eine innere Ruhe entsteht, und man entdeckt sich an vielen Stellen selbst wieder, als ob man in einen Spiegel schaut.
Dass ich für dieses und die anderen Type O Negative Alben eine klare Kaufempfehlung ausspreche, ist sowieso klar. Darum geht es mir in dieser Rezension auch gar nicht. Ich wollte beschreiben, warum hier in JEGLICHER Hinsicht wahre Kunst geschaffen wurde. Und deswegen gehört dieses Album ins Plattenregal eines jeden Menschen, der (so wie ich) ganz subjektiv auf Musikqualität wert legt. Und das Schöne ist: Type O Negative bietet VIEL mehr als das. Unendlich schade, dass nie wieder einer Album erscheinen wird.
Viel Freude beim Hören!