LEIDER NUR EINE FÜLLER-FOLGE
Wer meine Rezension zu "Winterfluch" gelesen hat, weiß wie begeistert ich vom Auftakt von Seanan McGuires Urban Fantasy-Serie um Wechselbalg October Daye bin. Sowohl Figuren als auch Setting fand ich spitze; die Art und Weise, wie die Autorin die Welt der Feen ins moderne Amerika integriert, fand ich sowohl ansprechend als auch faszinierend. Meine Erwartungen an Nebelbann" waren dementsprechend hoch. Leider hat der zweite Band der Reihe diese nicht befriedigen können. Wäre Toby Daye" eine TV-Serie, würde ich die Erzählung als Füller-Folge bezeichnen, die episodenübergreifende Handlungsstränge (Tobys Verhältnis zu Tybalt, zu den Höflingen an Sylvester Torquills Hof und natürlich zu ihrem Ex und ihrer Tochter) nicht oder nur ein kleines bisschen voran treibt. "Nebelbann" selbst hat mich nur mäßig unterhalten.
ZU URBAN FÜR URBAN FANTASY?
Das mag daran liegen, dass ein Großteil der Handlung diesmal in den Gebäuden der IT-Firma von Sylvesters Nichte spielt - ein Setting, dass mir selbst für einen Urban Fantasy-Roman etwas zu urban war. Zwar war z. B. die Idee, eine Dryade in die virtuelle Welt zu integrieren, sehr originell und gut ausgeführt, auf Dauer boten mir aber kleine Büros, Serverräume und die Cafeteria nicht genügend Colorit.
Auch war das auftretende Ensemble zwar nicht uninteressant, aber bei weitem nicht so farbenfroh wie noch in Winterfluch". Und bereits in diesem Roman hatte McGuire bewiesen, dass weniger die Krimihandlung denn Charakter- und Weltvorstellung ihre Stärke sind.
Dementsprechend dümpelt die Handlung - vor allem im zweiten Drittel - ziemlich vor sich hin.
Der Krimiplot selbst war für mich nicht so durchschaubar wie das andere Rezensionen behaupten (klar, natürlich stellen sich manche Vermutungen, die man bereits früh entwickelt, als wahr heraus, aber das finde ich sogar wichtig, denn gerade dadurch macht das Mit-Raten Spaß; da durchaus mehrere Täter als Mörder in Frage kommen, hat mich das hier nicht gestört - und zumindest die Motivation des Mörders bleibt bis kurz vor dem Finale unklar). Andererseits war er von sich aus bereits nicht ganz so interessant. Spannung kommt nur in einzelnen Szenen zwischendurch auf.
HOFFNUNGSVOLLER AUSBLICK
Erst zum Schluss nimmt die Handlung wieder Fahrt auf und deutet an, dass wir von der Welt der Feen noch längst nicht alles gesehen haben. Das letzte Kapitel scheint wie ein Versprechen der Autorin, sich im Verlauf der Serie noch mit einigen sowohl emotionalen als auch hochinteressanten Themen auseinanderzusetzen.
FAZIT
Alles in allem bin ich bei "Nebelbann" vor allem deswegen am Ball geblieben, weil ich Toby mag und weil mich der Auftaktband der Reihe sehr überzeugt hat. Ich hoffe, dass Seanan McGuire in Nachtmahr", dem dritten Band der Reihe, wieder mit den Bestandteilen aufwartet, die mich in "Winterfluch" so begeistert haben.