I've summoned the stampede of infidel feet!
das neue TMV album überrascht auf ganzer Linie ... es ist auf den ersten blick erstmal das, wogegen sich die Macher seit Jahr und Tag gesträubt hatten: es ist eingängig, reduziert und sogar vordergründig schön.
Das selbsternannt "akustische" album ist natürlich weit davon entfernt wirklich akustisch zu sein, aber wer schon immer die stillen, sphärischen parts mochte, wird hier reichlich bedient. Dass das Ganze natürlich trotzdem wild durch sämtlich taktarten hüpft, abwegige Soli, spannende Strukturen und bizarr-düstere Lyrik mit sich bringt, ist allerdings trotzdem selbstverständlich.
Nach Jahren waghalsigen und teilweise rücksichtlosen Experimentierens (also, den Hörgewohnheiten des potentiellen Hörers nicht unbedingt entgegenkommend ... wie die Ambientparts auf Frances the Mute) wagen TMV hier nun den nächsten Schritt, und nutzen die Resultate dieser Experimente um ein wirklich beeindruckendes, angenehmes und trotzdem komplexes Werk abzuliefern, das bei aller Eingängigkeit und Harmonie trotzdem nie gefällig, zuckrig oder uninspiriert klingt. Es ist ein bisschen so, als wären sie einen weiteren Schritt in Richtung solcher Inspirationen wie The Flaming Lips und Pink Floyd gerückt, allerdings auf ihre ganz typische und eigenwillige Art und Weise.
Das Album weiß trotz dramatischer Ruhe und Harmonie ständig zu überraschen: Cotopaxi zB. knüppelt gnadenlos zwischen die eher andächtigen Songs während Kopernikus mit hypnotischer Elektronika á la Trentemøller aufwartet. Bixler hält sich angenehm mit seinen höheren Falsettotönen zuück (und seine Texte sind diesmal wieder bestechend eigen und athmosphärisch), und selbst Rodriguez merkt, dass weniger manchmal mehr sein kann, und reduziert seine Soli und Spielereien auf ein Minimum. Das ergibt am Ende zwar nur reichlich 50 Minuten Octahedron, aber diese sind dafür durchgehend stark, ohne Einbrüche oder Füller und wirklich 50 Minuten zwischen musikalischem Anspruch, dramatischem Ausbruch und ohrenscheichelnder Harmonie ... teilweise kamen für mich Erinnerungen an ein Sigur Rós Konzert im Jahr 2002 auf, da auch hier Gänsehaut und düstere Schönheit sehr schön ineinander spielen.