Viel mehr gibt es zu diesem "Ding" - ich möchte es nicht Album nennen - nicht zu sagen. Ich kann sämtliche Werke von Bathory die bis dato erschienen sind, mein eigen nennen. Manche habe ich sogar doppelt (als CD und als LP). Aber nachdem schon der Vorgänger-Silberling "Requiem" den geneigten Fan eher mit einem Kopfschütteln als mit einem Headbangen im Raum stehen lies, so ist das hier "gebotene" wirklich nur noch unterirdisch.
Die Produktionen waren bei Bathory noch nie besonders toll gewesen, aber so dilettantisch wie bei "Requiem" und "Octagon" waren sogar die "no-Budget"-Produktionen Bathorys der frühen 80er nicht. Darkthrones "Panzerfaust" hat dagegen einen Audiophilen, detailverliebten High-End Sound. Soll heißen: Mann kann durchaus eine einfache, "dreckige" Produktion mit Demo-Charakter machen. Darkthrone haben mehrfach bewiesen, das gerade im Black Metal das sehr gut funktionieren kann. Damit es dann am Ende gut klingt, muss man aber auch ein wenig Zeit und Mühe investieren. Das ist bei "Octagon" wohl nicht geschehen. Wie jemand mit einem nicht völlig funktionslosen Gehöhr so etwas ins Presswerk geben kann ist mir vollkommen unbegreiflich.
Neben der in jeder Hinsicht missratenen Produktion ist aber auch das "Songmaterial" einfach nur grotesk schlecht. So ein uninspiriertes Geknüppel habe ich nur auf gruseligen Demotapes von Bands gehört, die zu Recht niemals bekannt wurden. Geknüppel kann Klasse haben (z.B. Battles in the North von Immortal) - und ich liebe auch nach wie vor die alten Black Metal Scheiben von Bathory, aber das hier ist einfach gar nichts.
Das die Texte dann auch noch besch...eiden sind passt da schon fast "gut" ins Gesamtbild. Sicherlich waren Bathory-Texte nie große Kunst, aber diese armseligen "Splatter & Gore" Textchen sind einfach nur doof. Die alten, satanischen Texte waren wenigstens noch irgendwie kultig, die Wikinger-Texte sogar teilweise schon recht gut, auch wenn die Klischees natürlich zwischen den knarrenden Planken nur so trieften. Aber das hatte noch einen gewissen Charme, welcher auf Octagon sich auch mit Geduld, Gewalt oder sonst irgendwie zu keinem Zeitpunkt einstellen will.
Wenn man sich denn dann ernsthaft in einem Anfall von echtem Masochismus durch diesen Tonträger gequält hat, kommt am Ende noch eine echt Überraschung: Bathory covern Kiss.
Der Kiss-Coversong "Deuce" passt überhaupt nicht zu dem öden Langeweile-Metzel-Soundbrei der bis dahin Geduld, Nerven und Gehörgänge übel mitgenommen hat. Sicher ist die Produktion auch hier nicht von besserer Qualität als bei dem übrigen Material dieser Ohrenfolter, aber im Vergleich zu dem, was man davor gehört hat, erscheint dieser Song wie eine Offenbarung und man fragt sich, warum nicht das ganze Album so hätte klingen können. Denn auch wenn die Produktion wie schon eben erwähnt auch hier echt müllig ist, so ist der Song wenigsten gut und man meint auch tatsächlich das erste Mal bei diesem Tonträger ein wenig Spielfreude herauszuhören. Aber der Song ist eben noch nicht einmal aus Quorthons eigener Feder.
Daher schließe ich diese Rezension mit der einzig möglichen Bewertung für "Octagon": 1 Stern, und den gibt's für den Kiss-Coversong. Quorthons hier vertretenen Eigenkompositionen haben nämlich bei aller Liebe und Nachsicht keinen Stern verdient!