Die jazzferne Anhängerschaft, deren Zuspruch sich Brönner in den vergangenen Jahren hart erarbeitet hat, wird mit "Oceana" keineswegs vor den Kopf gestoßen. Aber auch die Improvisations-Fundamentalisten, die sich beleidigt von der ehemaligen "deutschen Antwort auf Wynton Marsalis" abgewandt haben, erhalten ein Versöhnungsangebot. Denn die neue Brönner-CD weckt schöne Erinnerungen an vergangene Großtaten des Jazz.
Es weht in den zwölf drückend-schwülen Stücken mitunter eine kühlende Brise vom Pazifik herüber, wie einst, als Gerry Mulligan und Chet Baker dem entschleunigten Bebop ein Zuhause an der Westküste gaben. Es findet sich auch jene kammermusikalische Konzentration, die Miles Davis bei seinem stillen Meisterwerk "Kind of Blue" kultivierte. Dabei ist "Oceana" nicht wirklich nostalgisch. Sondern eher sehnsuchtsvoll traurig. Es liegt an den berückend reduzierten Gastbeiträgen der Vokalistinnen. Und an Brönners Trompete. Sie spricht, sie säuselt, sie summt. Und manchmal, unerwartet, seufzt sie auf. Das ist eine so starke Stimme, daß der Berliner endlich weitestgehend darauf verzichtet, selber zu singen. Er tut es auf "Oceana" nur einmal. Das Ergebnis, die Interpretation des Nick-Drake-Songs "River Man", wirkt denn auch eher seicht, verglichen mit dem tief empfundenen Rest.
Es ist das erste Mal seit seinem Auftragswerk "Midnight" aus den neunziger Jahren, daß sich Brönner wieder in die Hände eines Produzenten begeben hat. Larry Klein heißt der Regisseur hinter "Oceana". Er betreute in der Vergangenheit Musiker wie Leonard Cohen, Bonnie Raitt oder Joni Mitchell, mit der er auch verheiratet war.