In der Mitte der 90er Jahre war die schwedische Band MESHUGGAH für mich eine der innovativsten und besten Heavy Metal-Bands überhaupt. Mit ihrer kranken Mischung aus Power-Thrash, Death Metal, irrwitzigen Jazz-Einschüben und steriler (fast gefühlskalter) Industrial-Atmosphäre stieß das sonderbare Quintett damals das Tor zu einer neuen Welt auf. Speziell der 1995 veröffentlichte Hass-Monolith "Destroy erase improve" zählt für mich bis heute zu den beeindruckendsten und technisch hochwertigsten Alben aller Zeiten. Wahnsinnige Sound-Granaten wie "Sublevels" , "Suffer in truth" oder der Mega-Opener "Future breed machine" sind selbst nach dem 1.000 Hördurchlauf noch zum niederknien. Der Nachfolger "Chaosphere" stand dem in nichts nach, zog aber im direkten Vergleich zum Vorgänger klar den Kürzeren. Jedoch muss ich zugeben, dass ich in den folgenden Jahren immer mehr das Interesse an MESHUGGAH verlor. Dies lag keinesfalls an der musikalischen Klasse der Band...sondern schlichtweg daran, dass die Scheiben "Nothing" , "Catch 33" oder das Mini-Album "I" um einiges anstregender und dissonanter waren, und die Songs - selbst nach tagelanger Dauerrotation - sich nicht im Langzeitgedächtnis festsetzen wollten. Ich war zwar von den spielerischen Fähigkeiten der Musiker zutiefst beeindruckt, konnte mir aber den tieferen Sinn dieser ohrenunfreundlichen Sound-Orgien leider nicht erschließen.
Beim brandneuen MESHUGGAH-Wutklumpen "Obzen" sieht die Sache glücklicherweise wieder ganz anders aus. Zwar ist dieser rund 53minütige Longplayer natürlich alles andere als "easy listening". Jedoch gehen die Schweden mittlerweile wieder um einiges gradliniger zu Werke und lassen den einzelnen Songs dabei viel mehr Platz zur Entfaltung. Schon die ersten Klänge des brutalen Openers "Combustion" (ein Monster von einem Song!!!) deuten an, dass MESHUGGAH auch endlich wieder auf Up-Tempo setzen, und dabei eindeutige Parallelen zu "Destroy erase improve" heraufbeschwören. Bei aller Sound-Gewalt haben MESHUGGAH endlich wieder ihr Gespür für spannende Song-Aufbauten wiederentdeckt, die dem Hörer zwar alles abverlangen, jedoch um einiges nachvollziehbarer sind. Dieses gilt insbesondere für wütende Stakkato-Dampfhämmer wie "Pravus" , "Bleed" (mörderisch geil!) , das abartig vertrackte "Lethargica" sowie den tollen Titeltrack "Obzen", welche den Hörer allesamt gebannt unter den Kopfhörer zwingen. Die Band präsentiert sich einmal mehr als richtige Einheit, wobei diesmal sogar sämtliche Drum-Parts vom Schlagzeuger Thomas Haake höchst persönlich - und eben nicht von "Kollege Computer" - eingespielt wurden. Vor allem rythmisch klingt "Obzen" daher um einiges dynamischer und natürlicher, als all seine Vorgänger. Als hätten die Songs mehr Seele !!! Ein riesiger Pluspunkt, der sich sicherlich auch "live" auszahlen dürfte. Und auch wenn sich unter den 9 Songs auch diesmal (mit "This spiteful snake" , "Dancer to a discordant system" , "Final gland optics") einige schwer verdauliche Brocken befinden, die dem Hörer den kalten Schweiss der Verzweiflung auf die Stirn treiben, bleibt doch festzuhalten, dass MESHUGGAH eindeutig wieder einen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben.
Und dank des blutverschmierten, vielarmigen, glatzköpfigen Nackedeis auf der CD-Hülle, haben die Schweden außerdem noch vielversprechende Aussichten auf den Titel "Bestes Plattencover des Jahres".