Aus der Amazon.de-Redaktion
Propheten und Vorreiter werden gerne mal Opfer ihrer eigenen Fähigkeiten. Die einen gelten oft nichts im eigenen Land und die Leistungen der anderen werden manchmal erst dann erkannt, wenn das Hungertuch schon abgenagt ist. Die 1988 in London gegründeten Underworld stiegen nach einem holperigen Start zu den innovativen Kräften der Elektronik-Dance-Szene auf und legten damit selber die Meßlatte hoch. Gerecht wird man dem durchweg gelungenen Album
Oblivion With Bells mit dem Rezensionsansatz, Rekorde als Maß zu nehmen, nicht. Außerdem müssen Pioniere nicht immerfort Neuland entdecken, sie dürfen auch souverän und lässig die von ihnen abgesteckten Grenzen abschreiten und auf bekanntem Terrain zwischen Techno, House und Dancefloor-Pop flanieren. Genau das tun die beiden Underworld-Köpfe Karl Hyde und Rick Smith hier, wobei sie sich im etwas schematischen Opener Crocodile gängiger Rhythmen bedienen. Dann aber gewinnt
Oblivion With Bells schnell an Fahrt auf, denn schon Beautiful Burnout überzeugt durch herrlichen Synthies, satten Basslinien und schnellen Beats. In To Heal weben die beiden von Keyboarder Darren Price unterstützten Briten einen Ambient-Teppich im Stile von Brian Eno, während Ring Road mit UK Garage a la The Streets überrascht. Der Elektronica-Track Glam Bucket hätte auch auf Warp erscheinen können und mit Best Mamgu Ever legen Underworld völlig entspannt ein 9-minütiges Finale hin. Das langt zwar nicht, um
Beaucoup Fish zu schlagen, aber auch in der Niederlage zeigen die alten Helden Größe.
--Sven Niechziol
Kurzbeschreibung
Die Altmeister der Elektronik präsentieren nach dem im Jahr 2002 erschienenden "A Hundred Days Off" Album endlich ein neues Studio Album. Das langerwartete fünfte Studioalbum von UNDERWORLD "Oblivion with Bells" entstand mit der Hilfe von Laptops, einigen Heimstudios, den legendären Abbey Road Studios und einem Schweinestall. Das Album bietet skulpturale Instrumentation, ambivalente Soundlandschaften und dazu vermehrt live eingespielte Instrumente (wie z.b Larry Mullen JR von U2 an der Marimba bei "Boy, Boy, Boy"). "Oblivion with Bells" nimmt den Hörer mit auf eine Reise, die in einer Samstag Nacht in einem Club startet, in dem Sven Väth, Simian Mobile Disco und Frankie Knuckles gleichzeitig darum kämpfen an die Desks zu kommen. Weiter geht es in die flache Landschaft des ländlichen Essex, dann nach Kings Cross mit seinen hoffnungslosen Träumen und dunklen Gassen, bis die Reise in einer versteckten Bucht auf Ibiza endet. Epischer Techno gepaart mit zarten Akustiktönen, seligmachende Prosa neben schrillen Phrasen, verblüffende Soundstrukturen gemixt mit Aufnahmen mit dem Mobiltelefon - selten waren UNDERWORLD so facettenreich! Mit diesem Album führt die Band den Faden früherer Alben weiter, und präsentiert die weitreichendste Soundpalette, die ein UNDERWORLD-Album je hatte. Pop und Rave in another dimension. Die erste Single Auskopplung "Crocodile" kommt in den Dance Clubs dieser Welt schon sehr gut an und knüpft ohne weiteres an den Erfolg des Überhits "Born Slippy" (Trainspotting!) an.