Kurzbeschreibung
Dieses Lehrbuch beschreibt den gesamten Zyklus der Software-Entwicklung. Die Autoren führen ihre eigene objektorientierte Methode vor, die in der Fachwelt als eine der wichtigsten gilt. Der Ansatz beginnt bereits im Stadium der Analyse und des Designs und ist programmiersprachenunabhängig.
Vorwort
In den 25 Jahren, die seit der Begründung des Software-Engineering vergangen sind, hat eine Vielzahl von Lebenszyklus-Modellen und Entwicklungsmethodologien unser Bild vom Software-Prozeß geprägt. Die meisten der heute eingesetzten strukturierten Techniken stellen dabei die Spezifikation der prozeduralen Aspekte von Software in den Vordergrund. Die in diesem Buch vorgestellte Object Modeling Technique (OMT) wendet dagegen die objektorientierte Denkweise konsequent auf alle Phasen der Softwareentwicklung von der Analyse über den Entwurf bis zur Implementierung an. Die OMT-Methodologie wurde von den Autoren aus der Praxis heraus entwickelt. Dies spiegelt sich in der ausdrucksstarken, aber übersichtliche Notation, den umfassenden Fallbeispielen sowie der ungewöhnlichen Fülle und Originalität des Übungsmaterials wider. OMT-Modelle lassen sich auch unter Nutzung nichtobjektorientierter Programmiersprachen implementieren. Die dafür nötigen Abbildungsregeln werden ebenso ausführlich behandelt wie die Umsetzung von Objektklassen und Assoziationen in relationale Datenbank-Schemata.
Im Mittelpunkt von OMT steht das Objektmodell des Anwendungssystems. Durch die Konzentration auf Objekte und Assoziationen zwischen Objekten wird eine zeitgemäße Sicht auf die Entwicklung von Anwendungssystemen eingenommen. Diese kommt den Anforderungen an Verständlichkeit, Ausdrucksstärke, Wartungsfreundlichkeit und Wiederverwendbarkeit realer Systeme wesentlich näher als Ansätze, die vorwiegend auf funktionale Dekomposition und Datenflüsse ausgerichtet sind. Das Objektmodell wird durch das dynamische Modell und das funktionale Modell ergänzt. Das dynamische Modell ist für die Modellierung von zeitlichen und -Reihenfolgeaspekten einer Anwendung zuständig, während das funktionale Modell die vom Anwendungssystem zu bewältigende Verarbeitungsleistung beschreibt.
Die drei Teilmodelle stehen bei OMT nicht isoliert nebeneinander. Die Autoren zeigen vielmehr detailliert auf, wann und wie die Aktionen, Ereignisse und Funktionen aus dem dynamischen bzw. dem funktionalen Modell für die Implementierung auf Operationen und Methoden des Objektmodells abgebildet werden können. Im Gegensatz zu- vielen klassischen Methodologien und anderen objektorientierten Analyse- und Entwurfstechniken behält OMT seine Notation über alle Verfeinerungsphasen des Lebenszyklus bei. Dies ist nur konsequent, denn bei realistischen Projekten lassen sich häufig Analyse und Entwurf nicht klar voneinander abgrenzen und nachträgliche Revisionen von Analyse und Entwurf können dadurch leichter ineinander überführt werden.
Zur Steigerung der Klarheit haben wir bei der Übersetzung die im Originaltext verwendeten Begriffe methodology und multiplicity in analoge deutsche Ausdrücke übertragen. Methodologie bezeichnet dabei eine Softwareentwicklungstechnik wie zum Beispiel OMT. Im deutschen Sprachgebrauch spricht man zwar häufig von Entwicklungsmethode, in der objektorientierten Entwicklung bezeichnet eine Methode aber die Implementierung einer Operation für eine bestimmte Klasse. Multiplizität beschreibt nach unserer Auffassung den Aspekt mehrfacher Verknüpfungen zwischen Objekten bildlicher als der Ausdruck Kardinalität. Die meisten Modelldiagramme und Programmtexte für die besprochenen Beispielprogramme wurden aus Verständlichkeitsgründen übersetzt. Eine Ausnahme bildet das in den Kapiteln 15 und 16 verwendete Beispiel eines Grafikeditors, das in mehreren Programmiersprachen implementiert wird. Um die Fehleranfälligkeit zu reduzieren, wurden die implementierungsabhängigen Programmfragmente und das dazugehörige Objektdiagramm in der Originalsprache belassen. Bei den ausführlichen Programmbeispielen in den Kapiteln 18 und 19 handelt es sich um bestehende Programmsysteme. Deshalb haben wir auch dort Programmtexte unverändert übernommen.
Anhausen, im September 1993
Doris und Christian Martin