Mit "Objection overruled" kehrten Accept zu Beginn des Jahres 1993 nach zwischenzeitlicher Nichtexistenz auf die Metal-Bühne zurück. Den Weggang von Sänger Udo Dirkschneider aufgrund musikalischer Differenzen Mitte der 80er Jahre, der eine recht erfolgreiche Solokarriere startete (und mittlerweile erneut aufgenommen hat), konnten die verbleibenden Musiker lediglich für eine Platte kompensieren und so lösten sie die Band schließlich auf. Bereits wenige Jahre später aber kam es zur Aussöhnung und Accept nahmen zur Freude der Fans ihren Platz als Flaggschiff des deutschen Heavy Metal wieder ein.
"Objection overruled" klingt erfreulichermaßen so, als wären Accept nie weg gewesen. Vom ersten Takt an wird klar, wie der Hase läuft. Hier wird knallharter und kompromißloser Heavy Metal dargeboten, der pure Energie verströmt. Keine Idee davon, daß eine Combo nicht mehr ganz junger Ehemaliger lediglich die Pensionskassen auffüllen wollte. Diese vier Jungs machen Musik, weil es ihnen Bedürfnis und Freude ist (wie jeder, der das Glück hatte, die Band auf der damaligen Tournee erleben zu dürfen, bestätigen wird) und sie darüber hinaus ein Anliegen haben. Dies zeigt sich in den meist engagierten Texten, denen man zwar inhaltlich nicht immer zustimmen möchte, die aber immerhin zum Nachdenken anregen. Persönlich kann ich mich mit den beißenden Kritiken an der Rechtslastigkeit der deutschen Justiz im Titelstück (damals infolge mehrerer brutaler rassistischer Übergriffe aktuell) sowie an der katholischen Kirche in "Protectors of Terror" identifizieren, finde hingegen die Gesellschaftspolemik von "I don't wanna be like you" etwas zu plakativ und die Wiederbelebung der offenbar nicht tot zu kriegenden Legende von Marihuana als verdammenswerte Einstiegsdroge schlicht unerträglich. Musikalisch indes gibt es an keinem dieser Songs etwas auszusetzen, so wie die gesamte CD ohne Durchhänger auskommt.
Stilistisch zeigt sich die Scheibe unbeeindruckt vom Aufkommen des Grunge, der Anfang der 90er dem Heavy Metal den Kampf um die Hörergunst ansagte. Eher schon findet man Reminiszenzen an den Speed Metal, so etwa beim ultraschnellen "This one's for you". Daß auch Accept einen Faible für die Musik von AC/DC haben, offenbart das schmutzig-rockige, eigentlich Accept-atypische "Donation", das mit seinem unverblümten Sex&Alkohol-Inhalt ohne weiteres eine beliebige Scheibe der australischen Beutelrocker zieren könnte. Für stilistische Auflockerung sorgt zudem die gelungene, mit spanischen Klängen der Akustikgitarre unterlegte Heavy-Ballade "Amamos la vida". Ein vertrautes Markenzeichen der Musik von Accept stellen währenddessen die gestochen scharfen, melodiösen Gitarrenläufe Wolf Hoffmanns dar, welche auch auf "Objection overruled" beeindrucken.
Aufrichtigkeit ist die große Stärke dieser CD - und bedingt zugleich die einzige, wenn auch kleine Schwäche. Ein Hauch mehr an Innovation wäre bei allem Bewußtsein für die Metal-Tradition der 80er dann doch wünschenswert gewesen. So bleibt "Objection overruled" eine "nur" starke aber eben nicht herausragende Scheibe, bei der Accept-Fans jedenfalls bedenkenlos zugreifen können und auch sonstige Metal-Freaks werden durchaus ihren Spaß an ihr haben.