Hach, was hab ich diese Band früher verehrt! Meine erste Berührung, damals mit "Cause of Death", als ich gelesen hatte, das wäre nun das zweite Album der härtesten Band der Welt, die Band, die als Synonym steht für Florida Death Metal. Dann das Erwachen, die frisch gekaufte Platte aufgelegt und auf elendig hartes Gebretter gewartet - und dann war diese Band statt wilder Raserei doch viel mehr dem fetten Sound und der Macht des langsam Walzenden verpflichtet. In jenem Moment hatte der fünfzehnjährige mono ein Aha-Erlebnis, Härte wird nicht durch Schnelligkeit definiert, sondern eben auch durch Kompromisslosigkeit.
Läppische fünfzehn Jahre darauf lege ich die OBITUARY-DVD "Frozen Alive" ein und werde - schwupps - erstmal ordentlich in jene Zeit zurückversetzt, der Sound ist nach wie vor unvergleichlich und einmalig, die Songs zumeist simpel und effektiv gehalten und dennoch mit Riffs wie von sonst Keinem. Der Unterschied ist, dass OBITUARY natürlich auch älter geworden sind, das sieht man deutlich, das sind Männer mit Bärten, quasi die ZZ TOP des Death Metal, und das nicht nur vom äußeren Erscheinungsbild. Schließlich erkennt man auch die Florida-Deather sofort am Sound, typisch und unverwechselbar. Die Band agiert mit sichtlicher Begeisterung, wenn auch nicht mit der unbändigen Energie von 20-jährigen Jungteufeln, sondern eher wie das uralte und zeitlose Böse persönlich. Wenn einen Trevor Peres anschaut, meinte man ja schon immer, dass man gerade seine Seele verloren hätte
Es ist sicherlich schlau von Bands, ihre Liveaufnahmen in Osteuropa mitschneiden zu lassen. Die Fans dort sind dankbarer und nicht so verwöhnt, die Aufnahmemöglichkeiten preiswerter, aber technisch quasi gleichwertig, wie man auf "Frozen In Time" sehen kann. Bild- und Tonqualität sind amtlich, da gibt es nichts zu meckern, wahlweise in Stereo als auch als 5.1-Mix. Die Titelliste unterscheidet sich nur unwesentlich von der "Anthology"-Best-Of-CD, neu dabei sind natürlich die Stücke vom aktuellen Comebackalbum "Frozen In Time", mit den 5 Stücken "Redneck Stomp", "On The Floor", "Back Inside", Stand Alone" und "Lockjaw" wird quasi die halbe Scheibe gespielt.
Als zusätzliche Schmankerl gibt es noch feine Desktops, eine verwackelte Fotogalerie, die die Band zwischen An- und Abreise zeigt, ein Drumsolo von Donald Tardy, der zeigt, dass er mehr bolzen könnte, es aber einfach nicht macht (Respekt! einen Jaguar drischt man ja auch nicht mit 220 über die Piste, sonder fährt ihn lässig, mit dem Wissen, dass man es aber könnte), leider aber sieht das sehr nach Bootleg aus.
Eine gute halbe Stunde sind Interviews, die die Band sehr sympathisch zeigt, gute Laune, keine Geheimniskrämerei, die Jungs fassen ihre ganze Karriere Album für Album zusammen, woher ihr Sound kommt, warum sie keine Coverversionen spielen, Versprechen für neue Plattem etc.
Dann wären da noch die Videos zu "Insane" (plus Making Of) und "On The Floor", das zur Hälfte aus spektakulären Autocrashes besteht. Abschließend ein Backstagevideo, ähnlich verwackelt, unspektakulär, aber authentisch, wie die erwähnte Fotoserie.
Alles in Allem also ein schickes Paket mit einer Gesamtspielzeit von zweieinviertel Stunden, davon gut die Hälfte Konzert. Nicht extravagant, sondern solide und überzeugend