Evelyn Heeg fühlt sich prächtig, sie ist jung, topfit, erfolgreich im Beruf und frisch mit Tino verheiratet - und Trägerin eines Gendefekts. Mit über achtzigprozentiger Wahrscheinlichkeit wird die Freiburgerin früh an Brustkrebs erkranken. An jener Krankheit, die bereits eine tödliche Spur durch ihrer Familie schlug. Ihre Mutter, deren Schwester und zwei Tanten starben daran. Evelyn trifft ein endgültige Entscheidung: Sie lässt sich vorsorglich das Brustgewebe entfernen - eine Entscheidung für das Leben.
Jede zehnte Frau in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, über 57000 Neuerkrankungen werden jedes Jahr gezählt. Bei rund fünf Prozent der Betroffenen, ist eine Mutation, eine genetische Veränderung, für die Brustkrebserkrankung verantwortlich.
Dabei sind so genannte Tumorsuppressorgene defekt, also Gene, die normalerweise dafür sorgen, dass Tumore in der Brust unterdrückt werden. Sind sie nicht in Ordnung, kann es tödlich enden. BRCA1 und BRCA2 werden diese Mutationen verkürzt genannt, die statistisch an fünfzig Prozent der Nachkommen weitervererbt werden. Über 80 Prozent der Frauen, die diesen Gendefekt haben, erkranken, oft schon um das dreißigste Lebensjahr, an Brustkrebs. Meist sind in den Familien auch mehrere Frauen betroffen. Wie im Fall von Evelyn Heeg. Mit 28 entscheidet sie sich für den Klarheit bringenden Gentest. Fast zwei Jahre musste sie auf die Ergebnisse warten - eine nervliche Zerreißprobe.
In ihrem Buch schildert Eveyln Heeg diese intensiv Zeit und den Tag, an dem sie verkündet bekam, den Gendefekt in sich zu tragen. "Nennen sie mir einen Operateur", war ihre Antwort darauf, sie war fest zu einer Mastektomie, einer vollständigen Entfernung des Brustgewebes entschlossen.
In "Oben ohne" schreiben Evelyn Heeg und Ehemann Tino im abwechselnden Kapiteln über die zwei Jahre, die ihr gemeinsames Leben veränderten - vom hartnäckigen Gentest, bis zu den komplizierten Eingriffen und dem gelungenen Wiederaufbau: eindrucksvoll, dicht und ohne Effekthascherei - ein wichtiges Buch, mit dem Evelyn Heeg auch anderen Betroffenen Mut machen will, Wege aufzeigt, Hilfestellung gibt und über die neuen medizinischen Möglichkeiten aufklärt - es ist eindrucksvoll gelungen.
Das Buch enthält zudem ein Nachwort von Prof. Rita Schmutzler, Leiterin Schwerpunkt Familiärer Brust- und Eierstockkrebs Unviversitätsklinikum Köln.