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66 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einsamer Existenzialismus, 19. September 2008
Der 1962 in Holland geborene Autor war bisher wenig bekannt, lediglich ein etymologisches Wörterbuch und ein Jugendroman sind von dem studierten Literatur- und Sprachwissenschaftler (der auch ein Diplom als Gärtner hat) greifbar. "Oben ist es still" erschien 2006 und erhielt die zwei wichtigsten Debüt-Preise der Niederlande. Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen und ich habe es in zwei Tagen zu Ende gelesen. Ich habe lange darüber nachgedacht, warum dies so ist. An der Sprache kann es nicht liegen. Kurze, kantige Sätze und lange Dialoge, die wie Fäden aneinander gereiht sind, ohne Erläuterungen dazwischen - kein herausragender Erzähler also. Was nahm mich dann derart gefangen? Die Gestalt von Helmer, dem Ich-Erzähler, der im Alter von 55 Jahren seinen senilen und immobilen Vater ins Dachzimmer des Bauernhofs verfrachtet, um sich unten alleine einzurichten. Es sind die Reflexionen über sein Leben, die aus der Altersperspektive heraus den grossen Bogen spannen und in denen sich jeder mehr oder weniger wieder erkennen kann. Viel mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten, denn die Fragen sind immer die gleichen: Warum bin ich der geworden, der ich bin? Welchen Anteil spielt die Familie, die Erziehung, die Umgebung, die Ausbildung. Das Buch endet mit dem Satz: "Ich bin allein." - Wahrer Existenzialismus, ohne Wenn und Aber.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
die Nebelkrähe und der Tod, 30. September 2008
Der Name des Autors verrät es schon: Wir befinden uns in den Niederlanden. Oben ist es still" spielt auf dem Land, auf einem Bauernhof, den Helmer van Wonderen, der Ich-Erzähler, ein Mann um die fünfzig, bewohnt. Er lebt ganz alleine mit seinem Vater, einem Landwirt alten Schlages, den Helmer nun pflegen muss. Einst als der Vater noch das sagen hatte, lebte Helmer mit seinem Zwillingsbruder Henk auf diesem Hof. Henk und Helmer gingen eine Symbiose ein, schienen unzertrennlich, auch wenn Henk der Liebling des despotischen Vaters war. Eines Tages lernte Henk in einer Dorfkneipe Riet kennen und die beiden verlobten sich. Da sich unglücklicherweise auch noch Helmer in Riet verliebte, endete die Harmonie zwischen den beiden Brüdern. Dann kam Henk bei einem Autounfall ums Leben, tragischerweise auch noch im Wagen der Verlobten. Alles änderte sich fortan und Helmer fand sich als Landwirt wieder, weil er es nicht wagte, gegen seinen tyrannischen Vater aufzubegehren. So gingen drei Jahrzehnte ins Land und Helmer musste ein Leben führen, dass fremdbestimmt war; denn der Vater hatte ihm ein Leben aufgezwungen, dass Helmer so eigentlich nicht führen wollte, im Laufe der Zeit aber doch sein eigenes geworden ist. Jetzt wo der Vater alt und gebrechlich geworden ist, beschließt Helmer, sich ein Stück Freiheit zurückzuerobern und verfrachtet ihn und das gehasste Vaterbett kurzerhand nach oben ins Dachgeschoß. Nun ist es oben still und Helmer beginnt unten zu renovieren, um sich von der Vergangenheit loszueisen. Doch sie holt ihn schneller ein, als er denkt: er erhält einen Brief von Riet und alte Erinnerungen werden dadurch heraufbeschworen...
Gerbrand Bakker gelingt mit seinem Debut ein komisches und melancholisches Buch, dem eine unbestimmte Sehnsucht innewohnt, die den Leser mit knappen, präzisen und lakonischen Sätzen zu fesseln weiß. Obgleich nichts Sensationelles in diesem Buch geschieht, wird der Leser von Satz zu Satz hineingezogen in den langsamen und ruhigen Alltag des Protagonisten. Doch wenn man glaubt, es könne nichts Wesentliches mehr geschehen, gibt es überraschende Momente, Bedrohungen und Schicksalswendungen, die anfangs so unscheinbar sind, wie der Blick einer Nebelkrähe in den kahlen Ästen, die in diesem Buch immer wieder eine Rolle spielt. Oben ist es still" handelt von der Suche nach Identität, von dem Einswerden des Menschen mit der Natur und der tiefen Begegnung mit der Einsamkeit.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Oben ist es auch einsam., 17. Juni 2009
Gerbrand Bakker beschreibt einen Ausschnitt im Leben von Helmer, der in der Einsamkeit des Nordens der Niederlande auf einem Hof Vater und Vieh versorgt. Schon auf den ersten Seiten entsteht Spannung, denn Helmer ist nicht unbedingt fürsorglich bei der Pflege des Vaters und natürlich fragt man sich, warum er so ruppig mit ihm umgeht.
In vielen Rückblicken wird klar, warum Helmer so ist und warum er so einsam und auch unzufrieden ist. Die Rückblicke sind eingebettet in die Schilderung seines aktuellen Lebens, das durch das Auftauchen der früheren Verlobten seines Zwillingsbruders Henk aufgewühlt wird. Zu Henk, der von seinem Vater zu Lebzeiten fast immer vorgezogen wurde, hatte Helmer eine sehr innige Beziehung.
Am Ende hat sich Helmer ein Stück weit befreit aus seiner Starre und ist doch allein.
Ein wunderschönes Buch über das Alleinsein und mit Bildern, die die Atmosphäre so gut schildern, dass ich mich oft selbst fast auf dem Hof stehen sah.
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