Der Name des Autors verrät es schon: Wir befinden uns in den Niederlanden. Oben ist es still" spielt auf dem Land, auf einem Bauernhof, den Helmer van Wonderen, der Ich-Erzähler, ein Mann um die fünfzig, bewohnt. Er lebt ganz alleine mit seinem Vater, einem Landwirt alten Schlages, den Helmer nun pflegen muss. Einst als der Vater noch das sagen hatte, lebte Helmer mit seinem Zwillingsbruder Henk auf diesem Hof. Henk und Helmer gingen eine Symbiose ein, schienen unzertrennlich, auch wenn Henk der Liebling des despotischen Vaters war. Eines Tages lernte Henk in einer Dorfkneipe Riet kennen und die beiden verlobten sich. Da sich unglücklicherweise auch noch Helmer in Riet verliebte, endete die Harmonie zwischen den beiden Brüdern. Dann kam Henk bei einem Autounfall ums Leben, tragischerweise auch noch im Wagen der Verlobten. Alles änderte sich fortan und Helmer fand sich als Landwirt wieder, weil er es nicht wagte, gegen seinen tyrannischen Vater aufzubegehren. So gingen drei Jahrzehnte ins Land und Helmer musste ein Leben führen, dass fremdbestimmt war; denn der Vater hatte ihm ein Leben aufgezwungen, dass Helmer so eigentlich nicht führen wollte, im Laufe der Zeit aber doch sein eigenes geworden ist. Jetzt wo der Vater alt und gebrechlich geworden ist, beschließt Helmer, sich ein Stück Freiheit zurückzuerobern und verfrachtet ihn und das gehasste Vaterbett kurzerhand nach oben ins Dachgeschoß. Nun ist es oben still und Helmer beginnt unten zu renovieren, um sich von der Vergangenheit loszueisen. Doch sie holt ihn schneller ein, als er denkt: er erhält einen Brief von Riet und alte Erinnerungen werden dadurch heraufbeschworen...
Gerbrand Bakker gelingt mit seinem Debut ein komisches und melancholisches Buch, dem eine unbestimmte Sehnsucht innewohnt, die den Leser mit knappen, präzisen und lakonischen Sätzen zu fesseln weiß. Obgleich nichts Sensationelles in diesem Buch geschieht, wird der Leser von Satz zu Satz hineingezogen in den langsamen und ruhigen Alltag des Protagonisten. Doch wenn man glaubt, es könne nichts Wesentliches mehr geschehen, gibt es überraschende Momente, Bedrohungen und Schicksalswendungen, die anfangs so unscheinbar sind, wie der Blick einer Nebelkrähe in den kahlen Ästen, die in diesem Buch immer wieder eine Rolle spielt. Oben ist es still" handelt von der Suche nach Identität, von dem Einswerden des Menschen mit der Natur und der tiefen Begegnung mit der Einsamkeit.