Bei "Ausnahmezustand" handelt es sich um den sechsten von 12 Romanen (10 wurden ins Deutsche übersetzt, die beiden letzten sind derzeit nicht mehr geplant) einer von Tom Clancy und Steve Pieczenik erdachten Reihe um das OP-Center, eine geheime amerikanische Militärspezialeinheit. Geschrieben wurden sie allerdings vom ungenannten Autor Jeff Rovin. Der Titel "Ausnahmezustand" wurde etwas unglücklich von "State of Siege" (eigentlich "Belagerungszustand") übersetzt; die Erstauflage stammt noch aus der Pre-9/11-Ära, nämlich von 1999.
Inhalt:
Reynold Downer, Australier, Ex-Soldat und heißblütiger Draufgänger schließt sich einer Gruppe um einen gewissen Georgiew an. Der hat einen finstren Plan; einen Angriff mit Geiselnahme und Lösegelderpressung auf das Hauptgebäude der Vereinten Nationen in New York. Auch Paul Hood, gerade aus dem Amt scheidender Chef des OP-Centers, ist gerade in NY, denn seine Tochter wird einen Diplomatenempfang musikalisch begleiten. Jenen Empfang, der bald Schauplatz einer gut geplanten, brutalen Geiselnahme wird...
Beurteilung:
Ich muss vorweg schicken, dass "Ausnahmezustand" mein erster Roman der OP-Center-Reihe ist, die im Allgemeinen, gerade unter Clancy-Fans, sehr gemischt aufgenommen und bewertet wird. Nun, ich lese ebenfalls gerne Clancys Romane, auch wenn er es hin und wieder mit seinen gut recherchierten und sachkundigen, aber extrem ausufernden technischen Beschreibungen übertreibt. Ist man nun ein Neuling in Sachen OP-Center fehlt einem sicher manches vom Hintergrund, auf den stets immer wieder gerne verwiesen wird (frühere Heldentaten des Striker-Teams werden oft zitiert). Andererseits werden alle Charaktere gut genug umrissen, damit ihre Funktion klar ist. Und da der Roman in Sachen Charakterisierung oft sehr sachlich ist, kommt man gut zurecht.
Die Geschichte ist im Grunde relativ simpel; eine Geiselnahme, Lösegeldforderung, ein verzweifelter Vater. Helden, Schurken und dazwischen unentschlossene Diplomaten. Es wird sicher nicht mit Schwarz/Weiß-Malerei gespart, dennoch agieren beinahe alle Figuren glaubwürdig und die einfache Grundidee wird durch den tollen Schauplatz der Vereinten Nationen wieder wettgemacht. Vor allem muss man der Geschichte zu gute halten, dass sie den Leser vor allem ab der Halbzeit immer wieder zu überraschen vermag. Einige der Wendungen, welche die Geschichte dann doch noch nimmt, kann man eigentlich nicht voraus sehen.
Fazit:
Wer kein Meisterwerk der Literatur oder tiefschürfende Seelenanalyse erwartet sondern einen spannenden Actionthriller, dem es geling, sich nach einem etwas gemächlichen Start immer weiter zu steigern, der ist hier genau richtig. Gut recherchiert, penibel analysiert, innerhalb seiner Unglaublichkeit um Glaubwürdigkeit bemüht. Die vier Punkte werden nur knapp erreicht, sind aber trotzdem verdient.