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Im Gegensatz zu Tarantinos Streifen wird die Gewalt in vielen asiatischen Filmen als verstörende, negative Kraft aufgezeigt. Sympathy for Mr. Vengeance verdeutlicht die destruktive Macht der gewaltreichen Vergeltung, indem sie äusserst unangenehm anzuschauen ist und nirgends irgend etwas auf ein Augenzwinkern hinweist, wie eben bei den meisten Tarantino Filmen. Auch bei Old Boy scheiden sich diesbezüglich die Geister. Warum will man sich den Film überhaupt ansehen? Nur der Gewalt Willen? Dann bekommt man ein bisschen wenig, sie ufert zuwenig aus, sie ist zu unangenehm, um noch als "Spass" durchzugehen, und genau das ist der Punkt: es soll und darf nicht spassig sein, was wir in Oldboy sehen. Wenn also in beiden Filmen (Kill Bill & Old Boy) Gewalt vorkommt, und auch noch eine Art Rachemotiv in der Luft hängt, dann sind das zwei von ungefähr zwei Billionen Elemente, die übereinstimmen, weswegen die Filme in keinster Weise irgendwelche Vergleiche zulassen. Wook zeigt auf, dass Oh-Daesu's Rache befreiend ist, aber keineswegs heilend, auch ist sie Mittel zum Zweck, denn das Leitmotiv der Hauptcharakteren in diesem Film ist vielmehr die Erlösung, während bei Kill Bill einzig und allein die Vergeltung im Vordergrund steht. Und dies in ansehlich spassiger, konsumfähiger Form.
Tarantino, einerseits begnadeter, intelligenter Filmemacher, andererseits eben auch Gewalt-Fetischist, hat - ja, das erlaub ich mir zu sagen - genauso wenig kapiert, wofür die Gewaltdarstellungen im asiatischen Kino dienen - nämlich nicht der persönlichen Befriedigung einzelner Zuschauer, sondern der konsequenten Darstellung von Status, Macht, Machtsmissbrauch, Machtsübernahme, Selbstzerfall und -zerstörung.
OLD BOY ist darum vielmehr die Geschichte eines Mannes, der auf der Suche nach Erlösung und Absolution durch eine Welt irrt, die er nur aus dem Fernsehen kennt. Der Film thematisiert den Verlust von Lebensjahren, deren Überbrückung, sowie stagnative Zustände, welche sich im Nachhinein als Einsamkeitsgefühle äussern:
"Lache, und die ganze Welt lacht mit. Weine, und Du weinst alleine."
Old Boy ist ein Meisterwerk für sich. Trotz gelegentlichem Humor ist der Film eine todernste Angelegenheit und in absolut keinster Weise tarantinoesque. Nein, wirklich nicht!
Den allgemeinen Vergleich mit der Tarantino-Metzelei "Kill Bill", halte ich für total unangebracht.
"Oldboy" ist ein theatralisches, bewegendes, hochspannend und perfekt inszeniertes Drama, auf das man sich einlassen muss. Diesen Film schaut man nicht, wenn man gerade fünfzehn andere Sachen im Kopf hat, wenn man viel lieber etwas anderes tun möchte, oder auch schon ein wenig müde ist und etwas leicht verdauliches benötigt. "Oldboy" ist ein Film, den man beinahe "leben" muss. Er hebt sich ab und erlößt den Zuschauer von jeglichem Hollywood-Effekteindruck in eine Welt voller Faszination, die nicht so schnell vergessen wird. "Kill Bill" hingegen ist eine reine "Rachedokumentation" mit Blut, blödem Sarkasmus und im Endeffekt nur noch mehr Blut. Für mich fast eine wahnwitzige Anmaßung, diese beiden Werke in einem Atemzug zu nennen.
Wer also demnächst in die Videothek fahren möchte und nicht weiß, was die richtige Wahl für den Abend ist, dem sei "Oldboy" an's Herz gelegt.
Für Kaufentschlossene ist die "Special Edition" eine tolle Alternative. Sie hat viele spannende Extras, ein sehr aufschlussreiches Making of und macht, genau wie der Film, durchgehend Spaß.
Spannend - Wunderschön - Grausam - Oldboy. Pflicht.
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