Kurz nach dem 2. Weltkrieg. Die überlebenden Juden aus Europa suchen eine neue Heimat. Sie gehen nach Palestina, wo bereits viele Zionisten leben und begonnen haben, sich eine neue Existenz aufzubauen und von einem eigenen Staat zu träumen. Es gibt viele Hoffnungen und viel Engagement. Aber ist gibt auch die einheimischen Araber, die bereits seit Jahrhunderten dort zuhause sind. Und es gibt die britische Mandatsverwaltung, die den Konflikt zwischen zwei Völkern mit einer gemeinsamen Heimat nicht lösen kann.
Was sich wie das Setting zu einem Roman liest, ist nicht nur wahre Geschichte sondern auch die Grundlage eines Konfliktes, der uns sicher noch Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte beschäftigen wird. Dem Buch gelingt es, diese Geschichte transparent werden zu lassen, dem Leser verständlich zu machen, warum sich hochintelligente und gebildete Leute - auch vor dem Hintergrund der Erfahrung des 2. Weltkrieges und des Holocausts - die Köpfe einschlagen und schlimmeres. Das Buch zeigt, dass man weder Geschichte noch Politik ohne die persönlichen Horizonte der Handelnden nicht verstehen kann.
Erzählt wird die Geschichte von der UN-Resolution zur Teilung von Palestina in einen jüdischen und einen arabischen Bereich (Ende 1947) über die Staatsgründung bis zum abschließenden Waffenstillstand des Unabhängigkeitskrieges Ende 1948. Erzählt werden vor allem Einzelschicksale, manchmal von bekannten Personen (Meir, Ben Gurion), manchmal von von unbekannten. Es ergibt sich eine Art von Panorama von vielen Einzelschicksalen, die durch die gemeinsame Umgebung verbunden sind, ähnlich wie in einem Roman. Alles ist sehr detailreich beschrieben, so dass die abstrakten Linien und die Zeitläufe nicht immer gut erkennbar sind.
Viele der Geschehnisse sind extrem grausam. Man identifiziert sich mit Handelnden, denen dann schlimme Dinge widerfahren, die einen Nachts schlecht träumen lassen. Aber man fühlt durch die Erzähltechnik auch das besondere Engement der Handelnden, das Pathos der Staatsgründung und die Trauer über die Geschehnisse.
Ein wichtiges Buch, für das Verständnis der Geschichte und für die Zukunft.
Ein kleines Manko: Ben Gurion ist klar der Held - genauso die von ihm gesteuerte Haganah. Die Briten kommen in der Summe sehr schlecht weg. Ohne dabei gewesen zu sein, ohne die Recherchen der Autoren selbst unternommen zu haben, hier scheint mir das Buch manchmal doch deutlich selbst Stellung für eine Seite des Konfliktes zu nehmen. Aber viellicht ist ein wirklich neutrales Buch über die Geschehnisse auch kaum denkbar...