Madredeus ist ein gut gemanagtes Projekt, kommerziell erfolgreich, aber bei weitem nicht "kommerziell". Sie lassen sich weder von Coca-Cola sponsoren noch machen sie Werbung für Daimler-Chrysler noch spielen sie große Veranstaltungen. Sie spielen vornehmlich in guten Häusern, mit gutem Licht, Akustik usw., entsprechend dem Madredeus-Anspruch und Konzept. Man sieht, wie liebevoll und behutsam Madredeus die schöne, poetische portugiesische Sprache pflegen, und wie unaufdringlich und zurückhaltend sie sich öffentlich geben (ganz im Gegensatz zu so mancher plötzlich angesagter Fado-Sängerin, die sich mit Pathos, wichtigen Sätzen und aufmerksamkeitsheischender Pseudo-Bescheidenheit in Szene setzen, stets natürlich als "die neue Amália Rodrigues" angepriesen).
Madredeus sind sehr "portugiesisch", auch wenn sie nie behaupten, die Gralshüter einer reinen lusitanischen Musiktradition zu sein. Schon ihr Name ist ja nicht Portugiesisch, und ihr Stil ist sehr eigen, weder Fado noch Neoklassik, weder Folklore noch Pop. Man muß ihre ruhige, getragene, teils dramatische und teils sphärische Stimmung nicht mögen, aber wer einen Zugang zu dieser Musik findet, erlebt eine in sich ruhende, zeitlos schöne und einzigartige, sehr portugiesische Gefühlswelt.
Wer die Vorgeschichte des "Madredeus-Erfinders" Pedro Ayres Magalhaes oder auch die ursprünglichen personellen Überschneidungen, etwa Rodrigo Leao (vorher Setima Legiao -eine wunderbare Pop-Folk-Band-, dann solo und neoklassisch unterwegs) oder Carlos Maria Trindade (Elektronisch/New Age, aber auch Rock) kennt, der weiß, wie ernst Madredeus ihren Qualitätsanspruch nehmen. Ganz sicher ist nicht jedes Album brilliant, aber keins ist ein Verrat, keins ist peinlich oder ein Ausverkauf.
Von der Sorte einer Madredeus gibt es leider viel zu wenig auf der Welt.
Nicht umsonst ist jeder, der einmal einen Zugang zu Madredeus gefunden hat, ein begeisterter Freund der Musik. Nach zwei Solo-Veröffentlichungen von Teresa Salgueiro und ihrer Mutterpause hoffen wir alle wieder auf neue Konzerte und neue Musik. es gibt nicht viel, was mir so konstant Trost spendet in diesen immer weiter allein ökonomisch ausgerichteten, immer hektischeren und oberflächlicheren Zeiten.