Das Southern-Rock-Septett aus Jacksonville hatte 1975 mit "Nuthin' Fancy" ein weiteres hochkarätiges Album hingelegt. Nicht mehr ganz so locker aus dem Handgelenk herausgespielt wie seine beiden Vorgänger, aber mit demselben, vielleicht noch größerem Tiefgang. Zudem die letzte Scheibe mit Ed King an der dritten Klampfe.
Im Vergleich zum Vorgängeralbum 'Second Helping' kommt die "Nuthin' Fancy" wesentlich schwerblütiger daher. -Aber mit genauso erstklassigem Songmaterial! Zuweilen erinnern einzelne Passagen an ebenso schwerblütiges Little Feat Songmaterial (Feat's "Juliette"/Skyn's "Cheatin Woman"). Das ist aber sicherlich kein Manko, denn beide Bands zähl(t)en zu den besten der Welt und sind bis heute unerreicht!
Aber bleiben wir bei der "Nuthin Fancy", die mit dem Opener "Saturday Night Special" gleich mächtig einen loslässt. Besser kann eine Southern-Rock-Scheibe kaum starten. Danach folgt das schon angesprochene "Cheatin' Woman", das Van Zant schlichtweg ergreifend singt. Schwerblütig und schwermütig; wie die Sümpfe des Südens. Der folgende "Railroad Song" ist eine einmalige Hommage an tausende Hobos; unentwegte Streicher, die das Land, auf der Suche nach einem x-beliebigen Job, von Ost nach West und Nord nach Süd auf oder in Güterzügen durchquerten. Die, den Song eröffnende, Mundharmonika zeigt, auch ohne den Titel des Stückes zu kennen, wo's langgeht! Das folgende "I'm A Country Boy" kommt wieder so richtig "Swampig" und gitarrenlastig daher. Spitzenklasse!
Noch besser wird es mit "On The Hunt" einem der allerbesten Lynyrd Skynyrd Titel. Ein ebensolcher Klassiker wie "Sweet Home Alabama"; nur tiefsinniger! Genausogut, vielleicht sogar noch eingängiger ist "Am I Loosin'". Eine Uptempo-Nummer erster Güte. Dagegen fällt das country-like "Made In The Shade" ein wenig ab; ohne allerdings einen Qualitätsverlust darzustellen! Herausragend (zumindest aber richtig witzig) sind hier Van Zant's Jodelversuche am Ende des Stückes. Man muss den Song einfach mit etwas Humor hören. -Oder nach ein paar Bier. Dann kommt er ganz prächtig rüber. "Whiskey Rock-A-Roller" dagegen ist wieder ein Lynyrd Skynyrd "Rocker" par exellance. Was passt besser zu den "Swampern" (die gerne mal versumpften, sich mit irgendwelchen Prolls 'rumkloppten und dafür auch ab und zu die Welt aus vergitterten Fenstern ansehen mussten) als dieser Song?! -Trotzdem ist dessen Live-Version auf der "One More From The Road" noch eine ganze Klasse besser als diese Studioaufnahme. Live-Bonus-Material gibt es übrigens am Schluss der Scheibe: Mit "Railroad Song" und "On The Hunt" zwei Hochkaräter dieser Scheibe, die Lust auf mehr (nämlich nach der "One More From The Road") machen.
Für ein Southern-Rock Album dieser Kategorie gibt's natürlich volle fünf Sterne und eine bedingungslose Kaufempfehlung!