Nursery Cryme, eine Verballhornung von nursery rhyme (Kinderlieder, Wiegenlieder) zielt mit seinem Blockbuster "The musical box" auf Peter Gabriels eigene Erziehung, die recht verklemmt ablief, wie es sich damals so gehörte. Sein Aufschrei am Ende des Songs "Toch me, Touch me" braucht keinen Kommentar.
Ich saß damals, als das Album herauskam und in SWF3 gegen Nachmittag lief, in einem VW Käfer und wartete auf meine Mutter, die in einer Gärtnerei einkaufte. Ich war gefesselt. Ich spürte, dass diese Musik etwas Neues war, etwas Fremdes, und etwas Gewaltiges. Und so etwas konnte nur aus England kommen. Genesis, die würdigen Nachfolger der Beatles, haben damit eine Art von Musik geschaffen, die in die Annalen der Rockmusik eingehen wird. Abwechslungsreicher, wuchtiger, zum Teil orchestraler Rock, der immer Kontakt zu Folk, Militärmusik, Jazz, Kirchenmusik und Rock'n'Roll hält. Eine Mischung, die meine Wahrnehmung damals überforderte. - Noch heute ein großes Album.
Im Titel "Absent friends" hört man den Leadsänger Nachfolger Phil Collins gekonnt eine kleine Ballade singen. Dass Gabriel das zugelassen hat? Erstaunlich. Dort wurde m.E. schon die Weiche für später gestellt.
"Seven stones" ein kryptischer Text zu einer herrlichen Melodie. Dramatisch und ergreifend. Der Schauer läuft einem den Rücken runter.
"Harold the barrel", witzig, flott, zynisch. Am Ende sogar Lautmalerei, wenn er vom Gesimms runterspringt. Herrlicher Spaß mit Tiefgang.
"The fountain of salmacis". Mellotron und Hammondorgel. Man ahnt den Komponisten Tony Banks. Ein großartiges Stück Musik. Große Mystik.
Und das Cover von Hipgnosis ist auch Geschichte. Was will man mehr. Zeitgenössische Musik, die unsere Fantasie beflügeln kann - auch nach 40 Jahren.