In der Serie steht die schillernde Krankenschwester Jackie einer Notaufnahme in einem Krankenhaus im absoluten Mittelpunkt. Sie ist verheiratet mit zwei Kindern, was aber im Krankenhaus keiner weiß, hat eine feste Affäre mit dem Krankenhausapotheker, nimmt reichlich Drogen, immer für einen ätzenden Kommentar gut und hat keine Probleme nach ihren ganz eigenen Maßstäben Krankenhaus- und gesetzliche Regeln zu mißachten und unliebsame Patienten auch mal zu bestrafen.
Erzählt werden in einer ausgewogenen Mischung durchgehende Geschichten und solche je Episode. Bei den durchgehenden geht es zum Beispiel um den Konflikt aus dem Fremdgehen oder psychische Probleme einer Tochter, bei den kleineren z.B. um eine sterbende ehemalige Kollegin oder einen Behandlungsfehler einer Schwesternschülerin. Wichtige Nebenfiguren sind ihre beste Freunding (eine stinkreiche und halb extravagant, halb sympathische Ärztin britischer Herkunft), eine Schwesterschülerin, ein junger Arzt, Mann und Geliebter von Jackie. Die Staffel hat 12 Folgen mit je 30 Minuten. Die UK-Ausgabe hat eine englische Tonspur mit englischen UT.
Die Serie macht eigentlich viele Fehler. Ein zentraler ist die Kürze der Episoden, die ein ausführliches Erzählen und eine Entfaltung der Figuren oft schwierig macht und manchmal eine unangenehme Hektik aufkommen lässt. Auch bleibt manches ein bisschen blass, wie z.B. der Charakter der Liebe zwischen Jackie und ihrem Mann. Ein nächster ist eine gerüttelt Maß an übertriebener Realitätsferne, z.B. das absolute Funktionieren von Jackie trotz ihres Drogenkonsums oder dass angeblich über Jahre im Krankenhaus keiner etwas von ihrer Familie mitbekommen hat. Ein dritter ist schließlich die bei weitem nicht wirklich sympathische Hauptfigur, deren Skurriliät und großes Herz man zwar liebt, die aber doch auch oft zu ätzend, verantwortungslos und andere verletzend rüberkommt.
TROTZDEM packt und beeindruckt die Serie und hat mir sehr gut gefallen. Das liegt hauptsächlich an der überragenden Edie Falco, die mit extremer Coolheit, dabei aber großer Eindringlichkeit und ihrer knarzenden Stimme die Kunstfigur Jackie zum Leben erweckt und zu einem Menschen, der einem zum eigenen Erstaunen ans Herz wächst. Die Serie dreht sich denn auch weitestgehend um sie und in den meisten Episoden gibt es kaum Szenen ohne sie. In den Episoden, in denen das mal nicht der Fall, schlagen o.g. Schwächen auch gleich zu und führen zu etwas Missempfinden.
Die Serie lebt also von intelligenter Skurrilität, reichlich geistreichen und sarkastischem Wortwitz und sehr gutem, prägnanten Schauspiel. Die großen erzählerischen Leistungen darf man nicht erwarten. Hier stehen die Figuren im Vordergrund, wobei neben Jackie v.a. die extravagante Ärztin und die etwas naiv-vertrottele Schwesternschülerin (genial gespielt!) glänzen können.
V.a. wegen der Kürze der Episoden nicht der gaaaaanz große Wurf, aber eine tolle Serie, die das Ansehen auf jeden Fall wert ist.