Er war ein Künstler wie kein anderer: Als Rudolf Nurejew 1961 in der Pariser Oper bei einem Gastspiel des Kirow-Balletts zum ersten Mal vor westlichem Publikum tanzte, versetzte er seine Zuschauer in Entzücken. Er revolutionierte die Ansicht, dass Tänzer nur schmückendes Beiwerk der Prima Ballerina seien. Dies schaffte er nicht nur durch eine einzigartige Technik, sondern vor allem durch seine Rolleninterpretationen. Zum Beispiel verlieh er den Prinzen, die er tanzte, charakterliche Tiefe und einen melancholisch empfindsamen Zug.
Herausgeber Pierre-Henri Verlhac setzt diesem Ausnahmetänzer mit seinem erlesenen Bildband "Nurejew - Bilder eines Lebens" ein lebendiges Denkmal. Das Buch wird von einem Vorwort des Tänzers und Intendanten des "Berliner Staatsballetts" Vladimir Malakhov nebst einem biografischen Essay von Ana Veblen anschaulich ergänzt. Die Autoren erzählen wirklichkeitsnah von der facettenreichen Persönlichkeit und dem skandalreichen Leben Nurejews. Es wird deutlich, wie hart er um seinen Traum kämpfen musste. Seine Flucht nach Westen im Jahr 1961, um den sowjetischen Zwängen zu entkommen, ist nur einer davon.
Jedoch legt der Herausgeber die Gewichtung auf die Bilder. "Nurejew - Bilder eines Lebens" ist ein Bildband im eigentlichen Sinne. Die zum großen Teil schwarzweißen Fotografien zeigen den Künstler bei seinen Ballettaufführungen, bei Proben oder auch im Privatleben. Dazu zählen unter anderem ein Bild Nurejews am Dirigentenpult, eine Großaufnahme seines Fußes oder ein Foto beim Urlaub am Mittelmeer. Schnappschüsse mit Prominenten wie König Elisabeth II., Marlene Dietrich oder Yves Saint Laurent verleihen dem Bildband seinen unwiderstehlichen Charme. Die meisten der hochwertigen und kunstvollen Aufnahmen werden zum ersten Mal veröffentlicht. Die oft doppelseitigen Fotografien dokumentieren Nurejews Werdegang eindrucksvoll. Offizielle Fotos werden durch die vielen Momentaufnahmen gelungen ergänzt. Pierre-Henri Verlhac gelingt es auf diese Weise tatsächlich, Nurejews Leben in Bildern zu erzählen.
Bildunterschriften, die aus dem Französischen von Nina Püschel übersetzt wurden, erklären die erstklassigen Fotografien. Sorgfältig ausgewählte, zwischen den Bildern eingestreute Zitate von Nurejew selbst, über Nurejew und den Balletttanz im Allgemeinen tragen zur Lebendigkeit dieses Bildbandes bei. Ein tabellarischer Lebenslauf am Ende des Buches sowie eine Übersicht über Nurejews wichtigste Rollen, seine Choreografien und Filme runden das Werk ab.
"Nurejew - Bilder eines Lebens" ist ein bemerkenswerter Bildband über einen Mann, der die Kunst des Balletts in neue Sphären hob!