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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Deprimierend, 13. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Nur weg hier! (Taschenbuch)
Der neunzehnjährige, aus dem Gefängnis entlassene Dürer, kehrt zu seinen Eltern und Geschwistern in die Hochhaussiedlung zurück. Dort ist das Leben kleinbürgerlich-spießig und vor allen Dingen öde, öde, öde. Dürer steckt in einer Sinn-und Identitätskrise und versucht der Tristesse mit Hilfe von Eichendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts" zu entfliehen. Wie sein Vorbild macht er sich auf den Weg nach Italien. Leon de Winter schildert die trostlose Tristesse in der Dürer lebt in einer Weise, daß man sich beim Lesen selbst ganz deprimiert fühlt und man Mühe hat, sich durch die Seiten des Buches zu quälen. Besser wird es, sobald der Held zu seiner Reise aufbricht. Durch de Winters Erzählweise beschleicht den Leser schon bald der Verdacht, daß Dürer vielleicht doch nicht nach Italien gelangt und man wird immer neugieriger darauf, was ihn wohl daran hindert, in das Land seiner Träume zu gelangen. Die letzten vierzehn Seiten sind das Beste an dem ganzen Buch. Das war mir aber zu wenig, um diesem Entwicklungsroman mehr als drei Punkte zu geben. Ich finde, das Leben ist zu kurz, um sich von Büchern in Depressionen stürzen zu lassen :-). Die Schilderung der pubertären Sexualität Dürers hat mich nicht interessiert und "Aus dem Leben eines Taugenichts" gehört auch nicht zu meiner Lieblingslektüre. Wenn ich ein Buch über einen Jugendlichen lesen möchte, der versucht, im 20.Jhd. seine Krise mit Hilfe eines deutschen Klassikers zu bewältigen, dann nehme ich "Die neuen Leiden des jungen W." von Plenzdorf zur Hand. Das ist ebenfalls ein gesellschaftskritischer Entwicklungsroman, der jedoch weitaus unterhaltsamer ist als "Nur weg hier".
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24 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Immerfort, querfeldein, 5. Juni 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Nur weg hier! (Taschenbuch)
Hier, in diesem ersten, 1978 veröffentlichten Roman von Leon de Winter ist bereits sein Wille zu spüren, es genau zu nehmen mit dem, was er vorhat, nämlich ehrlich zu schreiben und zu beschreiben. Und er ist ein guter Dichter, ein Barde gar. Taugenichts,wer kennt nicht die wunderschöne Dichtung J.von Eichendorffs, in der ein junger Mann seinem Traum nachreist und am Ende mit Glück belohnt wird. Verdient (oder nicht verdient) erhält in dieser Geschichte unser Held etwas anderes, mehr sei im Moment nicht verraten. Und Leon de Winter beweist einmal mehr (zum ersten mal!) seine hohe dichterische Kunst. Jeder, der seine Pubertät noch nicht vergessen hat, wird sich einwenig wiederfinden und die Probleme mit der Welt, der Umwelt, dem Heimatland, dem Vaterland, der Freundschaft, dem Lebensziel usf. werden in diesem Buch ungleich schöner und ausführlicher angesprochen als nur so allgemeinhin. Nein, hier bekommen wir etwas geboten, das als Dichtung eigentlich laut vorgetragen werden sollte, wie wenn ein Barde uns etwas erzählte so schön, so traumverloren, wo wahrheitsscheu, so leidvoll, so herrschend hart klingt es bisweilen beim Lesen. Und die rauhe Wirklichkeit wird uns nicht verlassen, nein sie kommt geradezu im Laufschritt auf uns zu. In Holland, in der Reise durch Deutschland, im 15-tägigen Aufenthalt in München und in den dezent angedeuteten Liebesabenteuern. Ein Meisterwerk aus der Frühzeit eines großen Dichters, lohnenswert zu lesen, denn wir werden manches zu spüren bekommen in nächster Zeit, was hier angedeutet wird.
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