Daphne Patai schreibt: Es fällt einem schwer, sich heute eine andere
Gruppe von Menschen vorzustellen, die dermaßen krass in der Öffentlichkeit
niedergemacht werden kann, ohne augenblicklich Protest zu erheben.
Dass dem so ist, liegt am unglaublichen Erfolg der Frauenbewegung, die ein Weltbild etablieren konnte, nach dem jeder Mann qua Geschlecht Vorzüge gegenüber Frauen genießt. Dass dies nicht die Realität ist, wird einem schnell klar, wenn man männliche und weibliche Biografien mit ungetrübten Blick betrachtet; wenn man das Vorkommen von ganz und gar nicht selbstbestimmten Punkten wie Selbstmord, Obdachlosigkeit, Drogenabhängigkeit, Kriminalisierung, Tod am Arbeitsplatz, Arbeitslosigkeit und in jüngerer Zeit die Jungenmisere zusammenzählt. Abseits der Minderheiten in den Chefetagen stellt sich die Lebenswirklichkeit von ganz durchschnittlichen Männern etwas anders dar, als dass sie obskure patriarchale Privilegien genießen würden.
Dennoch, Männer stehen pauschal unter Verdacht, deswegen darf man sie pauschal niedermachen - wie keine andere Gruppe. Gaby Hauptmann versteht es, die populäre, zeitgeistige Strömung der Männerfeindlichkeit aufzugreifen und in Bestseller zu gießen. Anders lässt sich nicht erklären, dass sich Nur ein toter Mann ist ein guter Mann so gut verkaufen konnte, denn von Originalität der Handlung oder anderweitigen literarischen Anspruch kann nicht im Geringsten die Rede sein.
Der Plot des Romans unterteilt sich in zwei Haupthandlungen, die größtenteils unabhängig voneinander verlaufen. In der einen an Kriminalromane angelehnten Handlung muss sich die Heldin Ursula gegen den Versuch einer feindlichen Übernahme ihrer Firma erwehren. Unterschwellig wird angedeutet, dass dieser mit unlauteren Mitteln geführte Versuch einem Mann nicht passieren würde. Das ist ins Reich der Mythen zu verweisen. Diese Handlung ist nur mäßig spannend, zum einen weil Ursula, auch wenn sie den Kampf verlieren sollte, in keinster Weise existentiell gefährdet ist, zum Anderen, weil dem (Krimi-)Leser offenkundig ist, wer hinter der Intrige steckt.
Im anderen Handlungsstrang erfüllt Hauptmann die mit dem Titel geschürten Erwartungen, dass Ableben von Männern als Unterhaltungsmoment anzubieten. Und hier macht Hauptmann konsequent Ernst mit dem Titelprogramm. Die Männer die sterben, haben sich - mit einer Ausnahme - nichts zu Schulden kommen lassen, sie sind in keinster Weise miese Widerlinge, sie sind noch nichtmal die bösen Gegenspieler der Heldin. Es sind einfach nur Männer, und das allein rechtfertigt ihr Sterben, zu welchem der Leser aufgefordert wird, bedenkenlos darüber hinwegzugehen. Allerdings setzt sich Gaby Hauptmann von der Schuld Ursulas ab, indem sie sie durch eine Art paranormale Besessenheit durch ihren verstorbenen Ex-Mann handeln lässt. Es ist dogmatischer Feminismus in Reinstform, in dem Frauen entweder unschuldig sind, oder wenn sie doch etwas Verwerfliches tun, durch das Patriarchat korrumpiert wurden, womit schlussendlich wiederum die Männer schuldig sind.
Besonders deutlich wird die Botschaft Nur ein toter Mann ist ein guter Mann, wenn man zwei der auftretenden Figuren vergleicht: Beide sind sie Tierfreunde, beide kommen sie aus einer finanziell prekären Situation. Der eine ist ein Mann, die andere ist eine Frau. Der Mann wird erschossen. Bei der Frau hingegen, obwohl sie eine Verräterin (!) an Ursula ist, lässt man Gnade vor Recht ergehen. Über ein paar hundert Seiten wird hier eine geschlechtsgebundene Ethik vermittelt, die die Verwerflichkeit einer Tat nicht an der Handlung selbst, sondern über Geschlecht des Opfers bzw. des Täters beurteilt.
Was die Hinrichtung des Vergewaltigers angeht, so ist dieses Form der Selbstjustiz zwar nicht legitim, aber nachvollziehbar. Auf der anderen Seite kann ich mich, nachdem ich die Lektionen der vorhergehenden Seiten brav geschluckt habe, entspannt zurücklehnen und fragen: Vergewaltigung. Na und?!
Bis etwa zur Hälfte des Romans bewegt sich Ursula in einer grauen, düsteren Welt, in der die negativen Konturen überwiegen. Besonders bei Männern werden mit gnadenloser Erbamungslosigkeit unsympathische Eigenschaften oder Schwächen die nur menschlich sind überbetont scharfgezeichnet. Dass man bestimmte Eigenschaften auch mit liebevoller Zuneigung betrachten kann, wie etwa die Sorge um einen Hasen, wird dem Leser konsequent aberzogen. Kann man einem Mann, der sich leicht lächerlich macht, weil er mit einem Husch!Husch! einen Hasen vertreiben will, nicht auch mit einem Süüüüüß betrachten? Wird der insbesonders jungen Leserin eigentlich klar, was Frau Hauptmann da betreibt?
Dann in etwa der Mitte des Romans - tritt in Form einer alleinerziehenden Mutter eine Frau in Ursulas Leben, die einen literarischen Stilwechsel einläutet. In Ursulas graues Leben hält menschliche Wärme in Form von Sonnenschein und Kinderlachen Einzug. Dieser Wechsel kommt kommt so plump daher, dass es eine Beleidigung für den Intellekt des Lesers ist. Eine weitere Beleidigung ist, dass hier auf einmal eine Frau auftritt, die rein in Körper und Geist über keine unsympathische Schwächen zu verfügen scheint, welche sich scharfzeichnen lassen. Dass diese tadellose, teils tragische aber dafür umso kosmopolitischere Alleinerziehende dann plattesten Trivialfeminismus von sich gibt, und ein Weltbild zeichnet, in dem Männer als vergewaltigende, kinderschändende Frauenunterdrücker beschrieben werden, ist dann letzte Konsequenz von Propaganda, mit der der Autor seine Ideale verkaufen will, indem er sie durch besonders koschere Figuren aufsagen lässt.
Nach diesem Muster sprengt Gaby Hauptmann die Grenzen des Erträglichen, wenn sie gleich zweimal kleine Mädchen mit kindlicher Unschuld auftreten lässt, um die Botschaft über die Überflüssigkeit des Papi zu verkünden.
Ich vergebe null Sterne und lasse meine Rezension mit einer Äußerung der kritischen US-Feministin Wendy McElroy schließen:
Entschuldigungen wären angebracht bei der Hälfte der menschlichen Rasse: das heißt, den Männern.