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Produktinformation
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Thomas Tovi Blatt ist einer der Überlebenden. Er gehörte zu denjenigen Häftlingen, die den Aufstand planten und minutiös vorbereiteten. In Nur die Schatten bleiben schildert Blatt den Verlauf der Revolte und seine Flucht aus Sobibór. Vor allem aber erzählt er vom Überleben. Was es bedeutete, als Jude im besetzten Polen zu (über)leben, im Ghetto, im Gefängnis, unter dem Terror von Gestapo und SS und schließlich im Vernichtungslager, einem Ort, wo jedes menschliche Gefühl erstarb.
Sobibór war die kleinste der Todesfabriken. Über eine Viertelmillion Menschen, vor allem Juden aus Polen und der Sowjetunion, aus den Niederlanden und aus Frankreich wurden hier in den Gaskammern ermordet. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurde das Lager aufgelöst und alle Spuren der Massenmorde beseitigt. Was in Sobibór geschah, sollte nach dem Willen der Täter geheim bleiben, doch die schmerzlichen Erinnerungen der Überlebenden ließen sich nicht auslöschen.
Angetrieben von dem Wunsch, die Wahrheit über Sobibór zu rekonstruieren, hat Thomas Blatt in jahrelanger Arbeit Informationen zusammengetragen, die sein eigenes Zeugnis ergänzen. Er recherchierte in Archiven, nahm an Kriegsverbrecherprozessen teil, sprach mit Überlebenden und Tätern. Sein Gespräch mit dem SS-Offizier Karl Frenzel, dem dritten Mann in der Lagerhierarchie, gehört denn auch zu den entlarvenden Momenten dieses Buches. --Stephan Fingerle -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Angefangen mit dem Einmarsch der Deutschen in Polen erzählt der Autor in erschreckenden Bildern, wie die heile Welt, in der er aufwuchs, zerbricht und zu einem Albtraum wird. Nachbarn und Schulfreunde, die er sein Leben lang kennt, werden zu Verrätern, Plünderern und Mördern. Menschen, die er nie zuvor in seinem Leben gesehen hat, beschimpfen, jagen, schikanieren ihn, sperren ihn ein und misshandeln ihn.
Doch neben all der Angst und der Verzweiflung verlässt seine Familie nie die Hoffnung ... bis sie Anfang 1943 mit dem Zug in Sobibór ankommen.
Toivis Überlebenswille ist so stark, dass er instinktiv das tut, was ihn vor der Gaskammer rettet, doch für seine Eltern und seinen jüngeren Bruder gibt es keinen Ausweg mehr. „Sie sind jetzt Asche", sagt ein Häftling zu ihm, in dem Toivi einen früheren (damals sehr einfühlsamen) Schulfreund wieder erkennt, und zeigt auf die emporschießenden Flammen des Scheiterhaufens im eingezäunten Lager III, die den Nachthimmel erhellen. Und auch Toivi weiß, dass er in dieser Hölle nur überleben kann, wenn er das wird, was alle Häftlinge hier drin sind: Sklaven ohne jegliches Gefühl.
Monatelang schlägt er sich durch, erträgt grausame Strafen, erlebt Dinge, die kein Erwachsender und schon gar kein Junge erleben sollte, und verrichtet schwerste körperliche Arbeit. Und immer wieder muss er hilflos mit ansehen, wie ein überfüllter Transport jüdischer „Umsiedler" aus ganz Europa nach dem anderen im berüchtigten Lager III verschwindet, dem Lager, aus dem auch kein Häftling, der es betritt, je wieder gesehen wird.
Und von Tausenden Menschen, die dort ihr Leben verlieren, bleibt nur der riesige, noch warme Kleiderhaufen auf dem Hof der Sortierbaracken und das herrenlosen Koffermeer auf dem Bahnsteig zurück.
Doch dann kommt eines Tages ein Transport mit russischen Kriegsgefangenen und plötzlich gibt es neue Hoffnung, aus dem Lager fliehen zu können. Doch selbst als die riskante Flucht für den größten Teil der 550 Insassen dank präziser Planung gelingt, ist die Gefahr für die Flüchtlinge noch lange nicht gebannt ...
Sehr bewegend und doch in ruhiger, verständlicher Sprache berichtet Thomas Blatt anhand jahrelanger Recherche und eigenen, durch gesammelte Beweise bestätigte Erinnerungen über die Gräueltaten im Ghetto und in Sobibór, und die überaus gewagte Flucht, die dazu führte, dass das Lager geschlossen wurde. Doch anders als so viele vor ihm, vermittelt der Autor den Eindruck, nicht alle Beteiligten mit dem Stempel „Gut" oder „Böse" zu versehen. Er schildert die Ereignisse erstaunlich objektiv, verschweigt weder eigene Fehler und Verbrechen noch die der anderen, und versucht die Beweggründe seines Gegenübers zu verstehen oder zumindest herauszufinden - sei es nun ein SS-Mann, der ihn misshandelt, ein Kapo, der ihm ganz unerwartet hilft, oder ein alter Freund, der ihm aus Angst die Tür vor der Nase zuschlägt.
Mit jeder Seite spürt man jedoch, wie der fröhliche Junge von einst immer mehr abstumpft, damit selbst die Ermordung seiner Familie und seiner Freunde im Lager ihm nicht zu nahe gehen und ihn somit schwächen kann. Denn sein ganzes Dasein ist einzig auf ein Ziel ausgerichtet: überleben.
Und er entrinnt im Laufe der Jahre so oft nur ganz knapp dem Tod, dass es einen an das Schicksal glauben lässt. Vielleicht sollte er genau diese Geschichte erzählen, damit der nahezu unbekannte Aufstand in einem fast vergessenen Vernichtungslager nicht unter dem Schutt des Dritten Reiches verschwindet ...
Fazit: Die ausführliche Geschichte, der Plan des Lagers, einige Kopien alter Dokumente, die Fotos der Opfer, entkommenen Häftlinge und Verantwortlichen, die Enstehungsgeschichte von Sobibór und auch die Statistik der Flucht und das Interview mit einem der Hauptverantwortlichen des Lagers am Ende des Buches vermitteln einen genauen Einblick in die damalige Zeit, der es selbst für die Leser empfehlenswert macht, die schon beträchtliches Hintergrundwissen haben. Es bedarf stellenweise allerdings starker Nerven, dieses Buch zu lesen.
Einziger Minuspunkt die ab und zu leicht chaotische Reihenfolge der Geschehnisse, die etwas Verwirrung stiftet.
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