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Mit deutschsprachiger Soulmusik, dem kindlichen Spaß am Spiel mit Worten und Sprache sowie der undogmatischen Vermengung von Musikstilen hat sich Stefan Gwildis weit vor seinem 2003er Erfolgsalbum "Neues Spiel" einen Namen gemacht. Leider viel zu leise.
Jetzt kommt sein Nachfolgealbum "Nur wegen dir", um diesen Erfolg auszubauen. Wieder hat das Soulwunderkind sich Klassikern aus allen Soul-Epochen genähert und sie teils leichtfüßig, teils etwas zu bemüht in die deutsche Sprache umgesetzt. Aber immer gelungen und vor allem mit Ohrwurm-Garantie! Es ist schon faszinierend, das Gwildis es nach zwei Mal Anhören schafft, dass man Bill Whithers' "Just the two of us" nur noch in der deutschen Fassung vor sich hin singt.
Bei all seiner Verspieltheit bleibt Gwildis leider oft sehr nah an den ursprünglichen Arrangements der Originale. Hier hätte er sich ein wenig mehr Experimentierfreudigkeit leisten können, denn seine auf diesem Album glücklicherweise wieder häufiger vertretenen Eigenkompositionen zeigen, dass er dies drauf hat!
Wie auch auf der "Neues Spiel" wird Gwildis dann am besten, wenn er sich textlich weit vom Original löst. So schwingt er "Brown Eyed Girl" als titelgebenden Track "Nur wegen Dir" in neue Höhen auf und hier wird gleich am Anfang auch klar, dass einer der ganz großen Vorteile von Stefan Gwildis ist, dass er seinen berühmten Vorbildern stimmlich manchmal sogar überlegen ist.
Also: Kein Zweifel mehr an der deutschen Soulmusik!
So und ich schau jetzt in den bedeckten Himmel über meiner Heimatstadt und höre mir "Wunderschönes Grau" an. Denn mit diesem Album gibt es endlich einen Grund auf dieses Schmuddelwetter wieder stolz zu sein. Und sei es nur ein musikalischer! Danke, Stefan!
Das im Februar 2005 erschienene neue Album „Nur wegen Dir" lässt zwar den großen Überraschungseffekt aus dem Sommer 2003 vermissen, von der Qualität der Arrangements, der Produktion und der Songvielfalt her hat Stefan Gwildis mit seinem Produktionsteam (Martin Langer und Mirko Michalzik) und seinem Mittexter Michy Reincke aber eher noch einen draufgesetzt.
„Nur wegen Dir" glänzt neben den Soulklassikern in deutscher Sprache (zehn an der Zahl) mit 4 eigenen Songs. Zwei davon sind Gwildis-Hardcore-Fans zwar schon von den Frühwerken „Strombolis: Gretes Hits" (Dein Herz ist ein einsamer Jäger) und „Komms zu nix" (Mama mag ihn) bekannt, zeigen sich hier aber in völlig neuem Gewand. So ist „Mama mag ihn", bisher auf CD und in Konzerten immer „unplugged" gespielt, hier in einer dynamischen Funk-Version enthalten, in bester Earth-Wind-and-Fire-Tradition. Zwei weitere Songs sind neu geschrieben: „Große Freiheit" (mit Annett Louisan vom gleichen Plattenlabel als Backgroundsängerin) und „Wunderschönes Grau", eine Hymne an den wunderschönen norddeutschen Nebel-Himmel, der sogar auf der Vorentscheidung des Eurovision Song Contest zu hören sein wird.
Besitzer der Konzert-DVD „Neues Spiel: Live!" fühlen sich auch gleich wohl, da die dort auf der Bühne zu sehende Besetzung auch dieses Album eingespielt hat. Erstklassige Instrumentalisten und ein hochkarätiger Background-Chor sind in der transparenten und luftigen Produktion neben der rauchigen Gwildis-Stimme hervorragend zu hören. Die Produktion ist zum Glück nicht so vermatscht, dass das Gitarrenspiel und die vielen Einsprengsel von Fender Rhodes, Wurlitzer Piano und Hammond-Orgel untergehen. Im Gegenteil, gerade die beiden Keyboarder Ralph Schwarz und Matze Kloppe sind die heimlichen Helden auf diesem Album. Als Beispiel mag im „wunderschönen Grau" das Doppel-Keyboard-Solo gelten. Und Soulmusik wäre natürlich ärmer ohne „Gebläse", wie Stefan Gwildis seine „Horn Section", die Boxhorns, selbst nennt. In Chicago-Besetzung, also mit Saxophon, Posaune und Trompete, erzeugen die Boxhorns auf den meisten Titeln des Albums einen extremen „Druck".
Das Booklet mit allen Texten, einigen Fotos (auch Live-Fotos) und detaillierten Credits (aus denen man die genaue Besetzung für jeden einzelnen Titel herleiten kann) ist ein weiterer Grund dafür, dass man dieses Album als unbedingten Kauftipp vorschlagen kann.
Und wem die Arrangements von „Das war so doch nicht geplant" und „Mama mag ihn" etwas zu glatt sind, kann entweder auf ein Live-Doppel-Album hoffen oder sich zusätzlich zur CD gleich noch Karten für ein Gwildis-Konzert besorgen - oder er hört bei „Das war so doch nicht geplant" auf den genialen Text: Dass der Mensch von Gott nicht so perfekt geschaffen wurde wie gewünscht lag also daran, dass der Schöpfer durch die samstägliche Sportschau etwas abgelenkt war - zum Glück hat die Evolution dann doch noch zumindest einen erstklassigen deutschen Soulsänger hervorgebracht.
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