Der Titel des neuesten Thrillers von Joy Fielding klang viel versprechend, darum war mein Interesse groß, denn bisher hab ich von dieser Autorin zwar viel gehört, aber nie etwas von ihr gelesen. - Jetzt bin ich schlauer, und das sogar in mehrerlei Hinsicht. Weiß aber noch immer nicht völlig genau, worauf der gewählte Titel sich beziehen hat wollen. Trotzdem, ich bereue nichts, denn das Lesen des Buches hat mir Spaß gemacht. Liest sich flüssig und unbeschwerlich. Man merkt, dass da eine routinierte Autorin am Werk ist.
"Nur der Tod kann Dich retten" beginnt mit ominösen Tagebucheintragungen betitelt als TOTENBUCH. Hier kommt der Täter höchstpersönlich zu Wort und führt genauestens an, dass er weder gestört, noch ein Psychopath sei. (Ja, nee. Issja klar! :o)
Er schildert - blutige Details sucht man allerdings vergebens! - seine Taten bis ins Detail und gibt herrlich viele Hinweise auf sein bisheriges Leben, die man dann in der Handlung des eigentlichen Thrillers versucht zu deuten.
Das Ganze spielt in einem "Kuhkaff", ich glaub in der Nähe von Miami, in dem relativ unspektakuläre typisch amerikanische Stereotypen leben, die die Autorin aber mit so viel Selbstironie schildert, dass es relativ interessant ist ihre "Spitzen" wahrzunehmen.
Der Großteil der Beteiligten sind Highschool-Jugendliche, in deren Milieu sich der "Täter" die Opfer aussucht. Nicht nur bei den Erwachsenen geht es um Eitelkeiten, auch bei den Schülern gibt es Eifersüchteleien und Sticheleien.
Ein Mädchen mit Magersucht, ein übergewichtiges Mädchen, das von allen gehänselt wird, ein Junge, für den alles jenseits seiner Vorstellungskraft "schwul" ist, Jungs die von ihren Eltern in "Rollen" gepresst werden - ach, die ganze Bandbreite. Doch auch bei den Erwachsenen wird's interessant. Nicht nur, wegen dem schwanzgesteuerten Familienvater, der Frau und Kinder wegen der Internetbekanntschaft mit einerzigfach schönheitsoperierten Barbie-Klonin verlässt. Und den Sheriff, mitsamt alkoholsüchtiger Frau, dem niemand viel zutraut - er sich offenbar auch nicht ...
Nicht zu vergessen, dass jemand - auf dessen Spur man als Leser zu kommen versucht (ist oder wird ;-) - sein Unwesen treibt, und jungen Mädchen den Kopf wegpustet!
Als ich das frisch erschienene Buch gekauft habe, gab es noch keine Bewertungen. Nun sehe ich, dass die Leser/Innen vergleichsweise "bessere" Fieldings' kennen. Ich dachte, da könne ich nicht mitreden, doch mittlerweile habe ich herausgefunden, dass ich vor einigen Jahren doch bereits einen ihrer Thriller gelesen habe. Ich entsann mich, dass es da auch um ein Ehepaar ging, wo der Mann abtrünnig wird mit einer ebenfalls barbiepuppenmäßigen Blondine - scheint also ein gängiges Schema zu sein. ;-)
Wenn man von den routinierten Spannungsbögen, die Joy Fielding zieht, absieht, bereitet diese Art Gesellschaftskritik - hatte ich bereits erwähnt, ich weiß! - Viel Spaß und Spannung beim Lesen.