"Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" ("They shoot horses, don t they ?", 1969) von Sydney Pollack ist ein ebenso genialer Filmerstling wie z.B. "Duell" von Steven Spielberg. Leider ist der Film in unserer Zeit ein wenig aus dem Blickfeld des Publikums geraten; selbst im TV sieht man ihn kaum.
Geschildert wird das Schicksal einer Handvoll verzweifelter Menschen, die zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in den USA an einem Tanzmarathon teilnehmen (hat es tatsächlich gegeben !) Dem Siegerpaar winkt nach Wochen des Tanzes, der Wettkämpfe und des Schlafentzugs eine stattliche Siegerprämie, alle anderen haben wenigstens ein Dach über dem Kopf und sieben Mahlzeiten täglich bekommen. Der Film begleitet die zynische und desillusionierte Gloria (Jane Fonda) auf ihrem Weg als Schauobjekt für ein sensationsgeiles Publikum...
Metaphorisch gesehen ist Pollacks Film eine Parabel über die Leidensfähigkeit der Menschen, wenn existentielle Not dahintersteht. Anders im "Big Brother" unserer Zeit, bei dem die Gier nach Öffentlichkeit und Ruhm im Vordergrund steht, brauchen die Menschen im Film den Gewinn zum nackten Überleben. Für das Geld opfern sie auch das letzte: ihre Würde. Die Niederlage sieht dann bei jedem anders aus: Resignation, Wut, Wahnsinn, Tod.
Trotz des stark sozialkritischen Ansatzes ist "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" dennoch ein gut konsumierbarer, abwechslungsreicher Film geworden, dem jegliche Kopflastigkeit abgeht. Es gibt individuell geführte Schauspieler, prägnante Dialoge, kontrastreiche Übergänge und dramatische Höhepunkte, bei denen Pollack seine Zuseher perfider Weise auch zu Voyeuren macht: wer den gnadenlosen Wettlauf in Zeitlupe einmal gesehen hat, wird diese Szene nie wieder vergessen.
Die derzeit sehr preisgünstige DVD ist äußerst karg ausgestattet, es gibt zur deutschen gerade noch die englische Version; zu Untertiteln hat es - obwohl am Cover angekündigt - offensichtlich nicht gereicht.
Es gab in Hollywood Zeiten, in denen sich bei Filmen Anspruch, Aussage und Entertainment nicht im Wege standen. Es tut gut, sich wieder daran zu erinnern.