Gleich vorneweg: Das Buch ist lesenswert und hat mir viele neue Perspektiven auf die geliebte Weltstadt mit Herz eröffnet. Dafür, dass es von einem Auswärtigen geschrieben wurde, muss man anerkennend applaudieren. Nur leider hat das Buch einen großen und mehrere kleine Nachteile, die mich dazu bewegen, nur drei Sterne zu vergeben:
Der ganz große Nachteil ist, dass der Autor - typisch englisch! - sich hauptsächlich für die Nazi-Vergangenheit interessiert und kein Gespür für das richtige Maß zeigt. Auf jeder zweiten Seite geht es um Nazis, was einen Engländer offensichtlich brennend interessiert, für deutsche Leser jedoch weniger spannend ist. Diese starke Gewichtung ist sehr unausgeglichen und für mich als einheimischen Leser ärgerlich. München ist einfach viel mehr als nur die sogenannte "Hauptstadt der Bewegung"; zwei, drei Kapitel zu den wichtigsten Punkten der Nazi-Thematik hätten's auch getan.
Und dann die kleineren Nachteile: Der Autor nennt die einzelnen Stadtbezirke meist mit ihren Nummern, was es dem Leser nicht gerade leicht macht. Wer nicht zufällig selbst in diesen Bezirken wohnt, wird wohl schwerlich auswendig wissen, wo genau jetzt der 3., der 14. oder der 15. Bezirk sind. Viel sinnvoller und leserfreundlicher wäre es gewesen, wenn der Autor immer die Namen wie "Obersendling, Lehel, Am Hart" verwendet hätte. Die Nummern kann man dann ja immer noch in Klammern dazuschreiben. Darüber hinaus gibt's ein paar Stellen, wo man merkt, dass der Autor (oder die Übersetzerin!) einfach doch kein perfekter Vor-Ort-Kenner ist: Da ist von LMU-Studenten bei der U-Bahn-Haltestelle Theresienstraße die Rede, bei denen es sich aber eher um TU-Studenten handeln dürfte. Der Begriff "Karlsplatz-Stachus" ist bei Einheimischen ungebräuchlich, entweder das eine oder das andere! Und dass irgendwer "in die Analen" (sic) eingeht, wie ich ebenfalls in diesem Buch gelesen habe, ist ein peinlich-lustiger Tippfehler.
Trotz der Einwände ein gutes und lohnenswertes Buch, aber eben ein gutes Stück von der Bestnote entfernt!