Man runzelt die Stirn: die Hosen spielen unplugged und somit ihrer eigentlichen Stärke beraubt, des stromstarken Spiels nach vorne.
Beim Hören stellt sich heraus, daß die akustische Umsetzung ihrer Werke teilweise gelungen, teilweise aber auch eher mau ist. Wenn man das Album in Hosen-Manier gleich einem Fußballspiel in zwei Halbzeiten zu je 10 Songs aufteilt, so läßt sich sagen, daß nach einem holprigen Beginn mit dem glanzlos vorgetragenen "Blitzkrieg Bop", einer zahnlosen "Opel-Gang" und dem immer wieder platten "Auswärtsspiel" endlich mit dem düster wabernden "Nichts bleibt für die Ewigkeit" ein furioser Zwischenspurt bis zur Halbzeit einsetzt.
"Hier kommt Alex" besitzt ein äußerst gelungenes Arrangement mit erst nach und nach einsetzender Instrumentierung, "The Guns of Brixton" ist das elegant-entspannte Clash-Cover, "Das Mädchen aus Rottweil mit seinen balkanesken Anleihen funktioniert einfach als treibende Akustik-Nummer und "Wünsch DIR was" ist der heimliche Album-Höhepunkt vor dem Pausentee.
Mit einem beruhigenden Vorsprung geht es dann in die zweite Hälfte, die allerdings im Wissen um das bisher Geleistete nurmehr routiniert und ohne Zug zum Tor heruntergespielt wird. Höhepunkte sind dünn gesät, wie der neue Ohrwurm "Weltmeister" oder die schräge "Bommerlunder"-Version mit Hotel-Lounge-Flair. Stattdessen regiert ausgesprochen Verzichtbares: "Nur zu Besuch" ist auf einem Akustik-Album nicht wirklich originell, "Alles aus Liebe" plätschert eher lieblos dahin und das Beatsteaks-Cover "Hand in Hand" ist durch Campinos Interpretation so furchtbar geraten, daß es selbst mit Stromgitarren nicht mehr zu retten gewesen wäre.
Schöner wäre es gewesen, die Band hätte den ein oder anderen älteren Hit aus den Ärmeln geschüttelt und ihm einen Akustik-Anstrich verpaßt, so z.B. "1000 gute Gründe" oder "Reisefieber".
Hosen-Fans ist das Album durchaus ans Herz zu legen, alle anderen können ruhig ein Ohr riskieren. Von mir gibt es aufgrund der oben erwähnten starken Phase - trotz der späteren Schwächen - vier Sterne.