Mary Janice Davidson hat mit Betsy Taylor eine erstaunliche Wandlung vollzogen. Nach einem Roman hatte sie praktisch nichts mehr zu erzählen, füllt damit aber weiterhin die Bücher. So kann man Betsy in ihrem turbulenten Alltag erleben - allerdings ohne großen Handlungsrahmen. Ein Ereignis reiht sich an das nächste, ohne dass wirklich viel passiert. Wie schon im letzten Roman wird die unheimliche Note, damals was es ein Serienmörder, jetzt ist es ein Zombie, zwar brav alle paar Kapitel mal erwähnt - es folgt aber nicht wirklich etwas. Irgendwann darf Betsy über den Zombie stolpern und damit wäre auch dieser Punkt abgehakt.
Immerhin gibt es diesmal eine durchgehende, logische Nebenhandlung - die Frage, was aus der Auseinandersetzung zwischen Sophie und Alonzo werden soll. Und teilweise wird daran auch die Problematik um das Sterben und Vampirwerden angesprochen. Aber eben nur in Ansätzen. Dass das, was Sophie ihrem Freund antun möchte, im Grunde genommen auch nichts anderes ist als das, was ihr widerfahren ist, wird nicht erwähnt und auch nicht in die Argumentation mit einbezogen.
All dies könnte daran liegen, dass die Geschichte aus Betsys Sicht erzählt wird. Zwar ist sie ein nettes Mädchen, aber so tiefsinnig wie ein weißes Blatt Papier und mit der Konzentrationsspanne eines Goldfisches gesegnet. Stimmungsschwankungen und Themenwechsel sind an der Tagesordnung und sorgen dafür, dass nicht zu viel Sinn in die Handlung kommt. Dafür weiß man aber immer ganz genau, wie die Charaktere aussehen und was sie tragen.
Auch die anderen Personen bleiben flach und dürfen sich noch nicht mal ein kleines bisschen entwickeln.
Hinzu kommt die Länge der Geschichte. Mit 197 Seiten ist sie recht kurz geraten - aber dafür, dass praktisch nichts passiert, immer noch etwas lang. Um trotzdem noch auf einen Roman von 256 Seiten zu kommen, wurde eine Kurzgeschichte am Ende eingefügt, die zwischen diesem und dem letzten Roman spielt und unter anderem erklärt, wie Betsy und Jessica noch zu einem Werwolf als Mitbewohnerin kamen. Im Gegensatz zu den anderen Romanen um Betsy wird dieser nicht aus ihrer Ich-Perspektive erzählt, was zumindest für Abwechslung sorgt.
Dass sich der Roman trotz all seiner Mängel noch einigermaßen nett und flüssig liest, ist ein kleines Wunder für sich. Trotzdem wünscht man sich, das Lektorat ihres Verlages würde Frau Davidson endlich einmal helfen, für Betsy eine richtige Handlung zu entwickeln.