Das ist die Frage, die den Leser das gesamte Buch hindurch begleitet und auch nach dem Ende des Romans nicht los lässt. Wäre es gut für uns, vielleicht schon Jahre im Voraus zu wissen, wann wir dieses Leben hinter uns lassen? Ist es nicht viel wichtiger, das Hier und Jetzt, das Leben, zu genießen und dankbar zu sein für das, was wir haben, dass wir geliebt werden?
Numbers ist eines der Bücher, das seinen Leser emotional packt und etwas mit ihm macht. Nach der Lektüre des Buches wird man sich viele, viele Fragen stellen - über Leben, Tod, Sinn, Schicksal, Schuld, Hassen und Lieben. Man kann den Roman nicht nur zu sich nehmen, man muss ihn wirken lassen.
Die Idee des Buches ist gut: Jem, die mit nur sieben Jahren ihre drogensüchtige Mutter verlor, kann in den Augen der Menschen deren Todestag sehen. Zusammen mit dem Trauma, die tote Mutter gefunden und danach niemals ein liebevolles, verständnisvolles Zuhause gehabt zu haben, macht sie das zu einer rebellischen, in Sozialkontakten unerfahrenen, vor Allem aber einsamen und traurigen 15-jährigen, die niemanden an sich heranlässt.
Bis sie Spider kennen lernt, einen dunkelhäutigen, hibbeligen und leicht verrückten Gleichaltrigen, der sich mit illegalen Geschäften über Wasser zu halten sucht und bei seiner Großmutter aufwuchs.
Jem und Spider gehen in eine Klasse für schwierige Jugendliche, von der sie beide jedoch suspendiert werden, nachdem es zu einem Zwischenfall mit einem Klassenkameraden kam, der Jem und Spider für die zwischen ihnen beginnende Freundschaft angriff. In ihrer neu gewonnenen Freizeit fahren die Zwei nach London, wo sie Zeugen eines Terroranschlags auf das London Eye sind und von nun an polizeilich als Zeugen gesucht werden.
Das folgende Geschehen verstehen vielleicht Teenager, eventuell auch noch Menschen mit sehr starkem Misstrauen in unser Rechtssystem, mir erschließt sich nicht so ganz, dass und warum Jem und Spider sich zur Flucht vor der Polizei entschließen. Das tun sie aber und der Leser begleitet die Beiden den Großteil des Buches auf ihrem Roadtrip mit geklauten Autos, zu Fuß und in der für sie als Stadtkinder erschreckenden Wildnis.
Diese Flucht ist der Weg Jems zum Erwachsenwerden, Sozialkompetenz erlangen und Freunde finden. Sie und Spider kommen sich näher, werden ein sehr erwachsenes Liebespaar. Und Jem lernt, mit ihrem Wissen umzugehen. Auch dem, dass Spider nur wenige Tage bleiben...
Das Ende ist pragmatisch und passend zum Buch gewählt, mir gefällt vor Allem, wie Jem erfährt, dass ihr Sohn Nummern sehen kann.
Nur vier Punkte vergebe ich, weil
- Die Sprache mir teils zu heftig geraten ist. Jem tritt als Ich-Erzählerin mit ihrer eigenen, in ihrem Leben angeeigneten, Sprache auf. Und die ist härter als man es normalerweise von Büchern für dieses Alter kennt, mir zu hart.
- Die Idee des Nummernsehens wurde mir zu wenig verarbeitet, man hätte mehr daraus machen können und diese besondere Gabe ausbauen können. Schade.
Dennoch ist Rachel Ward ein gutes Buch gelungen, das aufgrund der einfachen Sprache auch zum Auffrischen und Verbessern der eigenen Englischkenntnisse geeignet ist.