Ich las vor wenigen Tagen das amerikanische Original "Terminal Freeze", kann also über die Qualität der deutschen Übersetzung keine Aussage machen.
Die Autoren Preston/Child schreiben überdurchschnittlich gute, intelligent aufgebaute Thriller. Dies gilt auch - mit Abstrichen - für die Einzelwerke jeden Autors, aber leider ist "Nullpunkt" bei weitem nicht so gut wie z.B. "Eden".
Der Thriller ist eigentlich recht spannend geschrieben, läßt sich flüssig lesen, verfügt als Hardcover bei 320 Seiten über 52 Kapitel, diese sind also, wie bei amerikanischen Thrillern üblich, relativ kurz.
Aber es werden leider alle Stereotype aus der Mottenkiste herausgeholt, wie oft hat man dieses Szenario à la "Gefangen im Eis" nicht schon gelesen bzw. als Film gesehen:
Wissenschaftler irgendwo im ewigen Eis in einem einsamen Camp oder einer Forschungsstation. Ohne jegliche Fluchtmöglichkeit werden sie wie die 10 kleinen Negerlein nach und nach von einer unheimlichen mysteriösen Bedrohung getötet.
Hier handelt es sich um US-Wissenschaftler, die die globale Erwärmung erforschen. Der Held der vier, Marshall, war - wieder ein Stereotyp - ein heldenhafter Soldat in Somalia, wurde dann aber unehrenhaft entlassen, ist mittlerweile "Palaeo-Ökologe", und weiß natürlich alles über Eis, Schall, Sonar, Elektrik, Geschichte, Kampftechnik etc etc etc. Ein durchgeknallter ruhmsüchtiger Dokumentarfilmer, ein ebenso durchgeknallter Ice Road Trucker mit Hawaiihemd bei Extremsttemperaturen sowie ein kleiner bunter Haufen aus Filmleuten und Soldaten garantieren ein paar spannende Stunden im warmen Zimmer auf der Couch, während es draußen Temperaturen um den "Nullpunkt" hat....
Sicherlich ein gut geschriebener Roman, aber ohne Twists and Turns, ohne große Überraschungen, alles läuft erwartungsgemäß wie aus dem Lehrbuch für Hobbyschriftsteller bis zum Showdown ab, dieser zieht sich über -zig Seiten dahin und man weiß ja, dass in der Regel das Gute siegt. So hofft man einfach auf irgendeine plötzliche Wendung und auf "den" Knaller und Aha-Effekt: Sorry, man hofft vergebens.
"Nullpunkt" rangiert auch mit diesen Negativpunkten immer noch weit über den anderen 08/15 Romanen dieser Art, z.B. von Reilly oder Rollins, aber trotz allem ist dieser Thriller einfach enttäuschend. Bei so einem hervorragenden Autoren wie Child setzt man einfach andere Maßstäbe an. Man legt das Buch aus der Hand legt und denkt: Das war's?
Fazit: Lesenswertes Fastfood, aber ohne Nachhaltigkeitsfaktor, sollte man aber ausleihen oder auf das Taschenbuch warten.