Olivier Smolders "Nuit Noire" zu beschreiben stellt eine wahre Herausforderung dar, denn selten hat es ein Film geschafft, dass man sprachlos zurückbleibt ohne auch nur die geringste Chance einer möglichen Interpretation des eben Gesehenen parat zu haben. Eine Inhaltsangabe zu schreiben fällt schwer und doch ist "Nuit Noire" ein besonderes Filmerlebnis, das deutliche Parallelen zu Film- und Buchwerken von David Lynch, William S. Burroughs oder Franz Kafka erkennen lässt. Auch Kameraführung und das Spiel mit den Farben hätte aus einem Film von Dario Argento stammen können, doch keiner der Genannten ist auch nur für ein Bruchstück verantwortlich. Doch versuchen wir der Sache etwas genauer auf den Grund zu gehen:
Schon die ersten Minuten hinterlassen einen sehr mysteriösen, zum Teil surrealen Eindruck, der mit zwei älteren Herren beginnt, die sich hinter ein Puppentheater begeben. Die durch sie agierenden Marionetten snd zwei kleine Kinder, die sich in einer Schneelandschaft befinden, bis es zu einem ersten Eklat kommt. Scheinbar ist diese Welt ein Traumbild der Hauptperson, welche gerade bei einem Psychologen eine sehr merkwürdige Untersuchung über sich ergehen lässt. Hier beginnt nun die Einführung von Oscar, einem Insektenforscher, der seine Arbeit in einem Museum verrichtet und dort von Erinnerungen aus der Kindheit geplagt wird. Scheinbar ist seine Schwester bei einem Besuch in Afrika verschwunden, doch sein Umfeld ist der Meinung, dass er keine Schwester hatte. Merkwürdige Leute kreuzen Oscars Wege und endlich im eigenen Heim, befindet sich eine fremde unbekleidete Frau in seinem Bett. Nun ist die erste Hälfte des Films vorüber und was Olivier Smolders schon bis zu diesem Punkt an farblichen Nuancen und akustischen Einfällen abliefert, unterstreicht die merkwürdige Handlung ungemein und fördert das Mysterium der Geschichte, wenn der Zuschauer auch keinen blassen Schimmer hat, welche Achterbahnfahrt noch auf ihn wartet. Neben Großaufnahmen von Insekten, die einen eigenen kleinen Mikrokosmos bilden, nimmt sich die unbekannte Frau in Oscars Bett das Leben, was zu noch merkwürdigeren Formen in der Handlung führt. Nach einer knappen Stunde Filmlaufzeit lichtet sich das Unbegreifliche etwas und ermöglicht es dem Zuschauer, ein paar Zusammenhänge zu erkennen. Jedoch wird ein genauer Vorgang zu keinem Zeitpunkt erläutert, denn immer wenn sich das Gehirn des Zuschauers auf eine mögliche Erklärung eingelassen hat, kommt eine weitere Besonderheit hinzu, die sämtliche Möglichkeiten verwirft. Olivier Smolders spielt gekonnt mit seinem Publikum und führt es an den Rand des möglichen Wahnsinns, was ihm vortrefflich gelingt, ohne auch nur ein Fünkchen Langeweile aufkommen zu lassen. Man fühlt sich bei Smolders Inszenierung sichtlich wohl und fiebert dem Extravaganten förmlich entgegen, immer in der Hoffnung, einen weiteren Einblick in die Gedankenstränge eines solch talentierten Regisseurs zu erhaschen. Am Ende bleibt man sprachlos und begeistert zurück und kann das Erlebte kaum in Worte fassen, auch wenn Smolders einen verwirrten Zuschauer zurücklässt. Ganz großes Kino! Filme wie "Nuit Noire" sind es, die zu echten Geheimtipps heranreifen. Meinen Dank an Olivier Smolders für einen so unglaublichen Trip!