Ich spiele Gitarre und auch ein wenig Saxophon, und Musik ist seit jeher ein wichtiger Punkt in meinem Leben. Für Hifi interessiere ich mich mehr oder weniger seit meinem 15. Lebensjahr. Da ich auch gerne ab und zu kleine Studioaufnahmen eigener Songs mit der Gitarre und einem kleinen digitalen Studio aufnehme, habe ich mich wegen des schnurgeraden Frequenzganges für die Nubert Nupro A-20 entschieden. Sie wurden trotz der Nachosterzeit sehr schnell geliefert, waren fehlerlos, gut verpackt und auch schnell aufgebaut. Lediglich der USB-Anschluß musste unter Windows 7 eigens ausgewählt werden, aber das ist ja eine Sache von Sekunden.
Ich höre normalerweise Musik mit einem Technics-Verstärker, der schon seine 12 Jahre auf dem Buckel hat, und zwei JBL MX 1000-Standlautsprechern, die am 9. September 2001 gekauft wurden (als ich heimkam, flog gerade das Flugzeug in das Hochhaus in New York, das vergißt man nicht). Von dieser Anlage war die Umstellung auf die Nubis erst einmal merkwürdig. Die Lautsprecher waren wegen des geraden Frequenzverlaufs erst einmal gewöhnungsbedürftig, da sie schlechten Aufnahmen kaum schmeicheln. Erst bei audiophilen Aufnahmen zeigen sich die Qualitäten der Boxen. Über diese ist schon viel geschrieben worden. Sie lösen sehr gut auf, sind sehr präzise, mir gefallen sie bei klassischer Musik und Jazz am besten, wohl, weil sie den Klang rein akustischer Instrumente sehr überzeugend rüberbringen. Der Bass ist für die Größe der Box und des Basslautsprechers, der wirklich winzig wirkt, sehr gut, aber im Vergleich zu den JBL MX 1000 mit zwei 18er Bässen und wesentlich mehr Volumen (1 Meter hohe, schmale Standlautsprecher) merkt man, dass einfach Leinwand fehlt. Z.B. fehlt bei den Trommeln zu Beginn des Stückes "Foggy Dew" von den Chieftains (mit Sinnead OŽConnor) einfach deutlich Fundament, da hört man bei den JBL so richtig das Leder schwingen, bei den A-20 leider nicht so ganz.
Höreindrücke sind eine fürchterlich subjektive Sache, aber bei der Lautstärke, die ich bevorzuge, finde ich, dass die Nupro A-20 mit einer leichten Bassanhebung und bei "Mittagsstellung" der Lautstärkeregler am besten klingen. Da die Lautstärke beider Boxen extra eingestellt werden muß, empfiehlt es sich sowieso, die optimale Einstellung zu finden und dann an der Musikquelle (Laptop z.B.) laut und leise zu stellen. Jedenfalls kamen mir die Boxen vor der Bassanhebung zu spitz im Klang vor, zu wenig warm, ein bißchen zu Mitten-betont. Wahrscheinlich habe ich mir die Ohren durch jahrelanges Hören mit Loudnessfunktionen einfach versaut, so dass ich mir die Loudness selst zurechtregeln musste. Aber ich höre ohnehin meist bei leisen Lautstärken, und da scheint das gehörpsychologisch ja ohnehin zu passen.
Wie auch immer: Die Boxen haben mich nach einigen Stunden trotz anfänglicher Irritation doch überzeugt. Vollkommen vom Hocker haben sie mich nicht gerissen, das liegt wohl an der JBL-Konkurrenz, die einen doch etwas verwöhnt. Bin nun gespannt, wie sie sich als Studio-Monitore bewähren werden, aber da bin ich zuversichtlich. Wer guten Klang am Schreibtisch und zusätzlich Lautsprecher in Studiomonitor-Qualität haben möchte, ist mit den Nupro A-20 sicherlich gut beraten, und was Studiomonitore angeht auch noch zu günstigen Preisen. Praktisch auch, dass man den Laptop dann per USB und das digitale Tonstudio per AUX anschließen und dann gegebenenfalls an der linken Box einfach zwischen beiden Eingängen hin- und herschalten kann. Das wirkt doch fast so, als hätten sich Mr. Nubert und Team dabei etwas dabei gedaxcht... Danke dafür!
Nachtrag 13. April 2012:
Jetzt muss ich aber doch noch etwqs hinzufügen, was mich sehr beeindruckt: Bei Bob Dylans "I shall be released" bringen diese vergleichsweise winzigen Boxen das Fußstampfen so verflucht realistisch rüber, dass man nur staunen kann. Außerdem: Je länger ich mit den beiden Nupro A-20 klassische Musik höre, desto lieber. Sie stellen akustische Instrumente so sauber und angenehm dar, dass es wirklich eine reine Freude ist. Also entweder ist wirklich etwas dran, dass Boxen ähnlich wie Instrumente erst ein bißchen "eingespielt" werden müssen (was mir unlogisch vorkommt, gerade bei "neutralen" Boxen, die kein eigenen Timbre haben sollen), oder die Ohren müssen sich erst mal an die "ehrlichen" Nubertprodukte gewöhnen.
Nachtrag 19. April 2012:
Ich muss noch was zu den Boxen loswerden: Sie sind auf Dauer ganz einfach schrecklich angenehm... Ich weiß kaum, wie ich das anders ausdrücken soll. Offensichtlich dichten sie weder Verzerrungen noch Resonanzen noch Hervorhebungen bestimmter Frequenzbereiche hinzu, so dass gut aufgenommene Musik ganz einfach so gut rüberkommt, wie sie produziert wurde. Deshalb stören sie nicht. Im Nachhinein merke ich, dass mich die Vorgänger immer mal wieder ermüdet haben, das ist bei den NuPro A-20 überhaupt nicht der Fall. Ich finde, Herr Nubert hat sein Ziel erreicht: Ehrliche Lautsprecher, die nur die Musik (fast) perfekt wiedergeben. Was kann man mehr wollen?
Nachtrag 16. Februar 2013:
Jetzt habe ich gerade den 2010er Mix von Mike Oldfields "Ommadawn" angehört, und bin (wie so oft schon immer wieder) noch einmal begeistert von diesen Lautsprechern. Natürlich ist der Remix des Meisterwerks von Oldfield selbst schon toll, aber mit diesen Lautsprechern wird er zu einem Wahnsinnserlebnis. Da werden Klangteppiche gezeichnet, da treten musikalische Ebenen vor und zurück, wandern nach oben und nach unten... Ich habe noch nie Lautsprecher besessen, die Musik so vielschichtig abbilden konnten. Die etwas mehr als 17 Minuten waren ein Hörerlebnis erster Klasse, das ich mir mit anderen Lautsprechern so nicht vorstellen kann.
Ich habe die beiden Nupro A-20 ja in der Türkei stehen, wahrscheinlich die einzigen ihrer Art im ganzen Land. Da ich aber ab und zu auch in Deutschland lebe, bin ich schwer am überlegen, ob ich mir noch ein Paar für dort zulegen soll. Bzw., ob ich es ohne ein Paar aushalte. Die machen süchtig. Ich glaube, ich muss in den sauren Apfel beißen und nochmal das viele Geld ausgeben. Mit dem Nubert dann noch bessere Boxen plant.