"Der geheimnisvolle Fremde" von Mark Twain, wie ihn Albert Bigelow Paine herausgegeben hat, ist einer meiner Lieblingstexte: Seine radikale Bitterkeit hat mich tief beeindruckt. Hier wird nun versprochen, dass endlich die authentische Fassung vorgelegt wird. Darauf war ich natürlich sehr gespannt - und ich bin enttäuscht: In der dritten Fassung dieser Geschichte ist von den bitteren Einsichten fast nichts mehr übrig geblieben. Da ist freilich die Stelle, wo der Fremde sagt, er wolle nicht Christ werden, weil er der einzige wäre - und es wird versprochen, dass das noch ausführlicher erklärt wird, aber eine solche Erklärung kommt nie. Auch die Liebesgeschichte, die gegen Schluss eingeflochten ist, bleibt ungelöst. Das letzte Kapitel kommt unerwartet - und es passt eigentlich viel besser zur ersten Fassung, an die Paine es ja auch angehängt hat. Naja, vor allem die erste Hälfte des Buches ist trotzdem eine gut erzählte Geschichte, die aber kaum mehr etwas mit dem "geheimnisvollen Fremden" der ersten Fassung zu tun hat.