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Nox, Roman,
  
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Nox, Roman, [Unbekannter Einband]


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Produktinformation

  • Unbekannter Einband
  • Verlag: Frankfurt/Main, Suhrkamp 1995, (1995)
  • ASIN: B003OF05BC
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 1.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Thomas Hettche
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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von lyrx
Format:Taschenbuch
Angeblich ist das ein Wendezeit-Roman. Ich kann mich aber des

Verdachts nicht erwehren, dass der 9. November 1999 als Tag der

Handlung nur gewählt wurde, damit über den zeitgeschichtlichen Rahmen

ein Bedeutungskontext hineininterpretiert werden kann, den das Buch in

Wahrheit gar nicht hat.

Es muss irgendwo in Deutschland eine Schreibschule geben, die darauf

besteht, dass Detailgenauigkeit, Faktenreichtum und Akribie bei der

Recherche genügen, um einen guten Roman zu schreiben. Sie genügen

nicht! Und es genügt auch nicht, eine Folge drastischer Szenen in

einen einzigen Tag zu pressen, um atmosphärische Dichte zu

erzeugen. Das hat früher bei Wolfgang Koeppens "Tauben im Gras" nicht

richtig hingehauen, und es funktioniert bei Hettche im neuen

Jahrtausend ebenfalls nicht.

Also gut: Die Mauer ist offen, man kann sich auf den Rücksitz eines

Trabi setzen, dort koitieren und gleichzeitig über die Grenze

fahren. Man kann sich Zigaretten auf der Haut ausdrücken lassen und

dabei an die Heilung von Wunden denken, weil die Grenze ja auch so was

wie eine Wunde gewesen ist. Na und? Da wird dick aufgetragen, und weil

eben doch kein rechter Tiefsinn aufkommen möchte, immer dicker und

dicker. Es klaffen die Wunden, es eskalieren die Exzesse. Das Ganze

ist weder glaubwürdig, noch überzeugend.

Natürlich hat sich da wieder einer extrem viel Mühe gemacht, hat seine

ganze Sprachgewalt bemüht, hat genau recherchiert, an den Sätzen

gefeilt. Er kann schreiben, der Hettche, und er kann denken, nur

kriegt er leider beides nicht zusammen. Über der Eleganz seiner Sätze

hat er die einfachsten Fragen vergessen: Warum das alles? Warum die

Maueröffnung mit einer klaffenden Wunde vergleichen, und nicht mit

einer heilenden? Das Gegenteil wäre doch näher gelegen, oder? Bestimmt

hat Hettche darauf eine kluge Antwort, und vielleicht steht sie sogar

im Text und ich habe sie nicht gefunden. Sie würde mich nicht

überzeugen, kännte ich sie, denn das Buch als solches überzeugt mich

einfach nicht.

Seit Joyce' Ulysses gibt es immer wieder Autoren, die sich der

Herausforderung stellen, die darin besteht, die Handlung eines Romans

auf einen einzigen Tag zu konzentrieren. Der schon erwähnte Koeppen

hat das vor Jahrzehnten getan, und es ist intellektualisierendes

Epigonentum dabei herausgekommen. Zeitschmerz in feinstem

Romandeutsch. Genau daran ist auch Hettche gescheitert: Am seinem

klugen Kopf, an seinem literarischen Feinsinn, mit dem er seine wilden

SM-Szenen nicht adelt, sondern ihnen das Leben entzieht. Sie sind

nämlich nicht lebendig, sondern papieren. Das bisschen Glaubwürdigkeit

ist im Bedeutungswust und im Faktenwahn verloren gegangen.

Ich wünsche mir wirklich, Hettche hätte ein wenig schlechter

recherchiert und seine Sätze etwas gröber gelassen. Dann hätte er

vielleicht mal Zeit und Muße gehabt, einen Schritt zurückzutreten und

seinen Text platt und glatt gegen die Wirklichkeit zu halten. Er wäre

dann unter Umständen sogar auf die Idee gekommen, die Lupe mal

wegzulegen und mit seinen gesunden Augen hinzusehen. Dann hätte er

sich gesagt: "Schreib doch bitte entweder eine SM-Geschichte, oder

einen Wenderoman. Aber nicht beides gleichzeitig, das kriegst du

nämlich nicht zusammen. Du nicht!"
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Von Jo Kitt
Format:Gebundene Ausgabe
Was passiert in diesem Buch? Eine Frau ohne Namen, ohne Alter, ohne Aussehen ermordet den Ich-Erzähler gleich auf der ersten Seite und irrt anschließend durch die Straßen Berlins, kann sich nicht an ihren Namen erinnern und bumst öffentlich mit dem ersten Besten, den sie in irgendeinem Lokal sieht. Über ihre Motive erfahren wir in nichts. Der Ermordete beschreibt sein eigenes Sterben anatomisch und wird zu einem Allwissenden, der über alles, was in Berlin und überhaupt passiert, sofort Bescheid weiß - auch, was die Mörderin denkt, fühlt und tut. In einem zweiten Handlungsstrang bekommt ein Anatomie-Professor ein neues Gerät, und in einem dritten büxt ein DDR-Grenzhund aus.

Mit dem Mauerfall hat das alles herzlich wenig zu tun; es hat den Anschein, dass der Autor den Mauerfall nur deshalb in dem Buch erwähnt, um wenigstens ein bisschen Relevanz hinein zu bringen, damit es überhaupt jemand zur Hand nimmt und liest. Immer wieder geht es um Narben und Schmerzen und ist sehr symbolschwanger. Ja, wenn ich recht darüber nachdenke, will der Autor damit seine Meinung zum Mauerfall ausdrücken. Aber wollen wir das wirklich in dieser Form lesen?
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Vom Rausch einer Nacht 22. Februar 2005
Format:Taschenbuch
„Nichts, dachte sie, wird so bleiben, wie es war." - Diese Worte der weiblichen Protagonistin des Textes fassen alle Ereignisse zusammen, die sich in „Nox" zutragen. Die Geschichte einer Nacht erzählt von einem Mord, der Identitätssuche einer Mörderin, dem Mauerfall sowie dem kollektiven und individuellen Taumel der Nacht, in der alles anders wurde.

Ganz anders ist auch der ganze Text: Ein Ich-Erzähler, der schon nach dem ersten Kapitel stirbt; eine wechselnde Erzählperspektive, die sich zwischenzeitig einem Hund an die Fersen heftet; rauschhaft-perverse, fast irreale Szenen. Kurzum: Hettche ist es mit diesem Text gelungen, etwas Neues zu kreieren, das den Leser teils fesselt, teils verstört, teils mitreißt.

Gekonnt spielt er mit dem Motiv des Schmerzes, der den ganzen Plot zu einer Einheit verschmelzen lässt: Durch die geteilte Stadt Berlin zieht sich eine Narbe, die weibliche Protagonistin leidet darunter, nicht zu wissen, wer sie ist, der Ich-Erzähler empfindet permanenten Schmerz in seinem Todeskampf und sogar Nebencharaktere wie David, auf dessen Rücken und Po Schriftzüge eingebrannt sind und dessen Eichel durch einen Schnitt vernarbt ist, sind vom Schmerz gezeichnet. Daneben verbindet auch der Rausch - aus verschiedensten Gründen befinden sich alle Menschen in einem Taumel der Nacht.

Obwohl der Autor sein Handwerk meisterhaft beherrscht, weiß der Text gerade gegen Ende nicht mehr zu überzeugen. Zu surreal, zu paradox präsentiert sich dem Leser das „Theater der Anatomie". Was Hesse mit dem „magischen Theater" des „Steppenwolf" schaffte - seinem Roman im metaphorischen Bereich ein furioses Ende zu setzen - , gelingt Hettche in meinen Augen nicht.

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