... aber Paul, George und einige andere kommen auch noch darin vor. Denn "Nowhere Boy" handelt durchaus von der Gründung der Beatles (wenn auch nicht historisch exakt) und spielt im Liverpool der späten 50er Jahre. Aber bis die Musik in den Mittelpunkt rückt, gilt es eine Menge an Familienerfahrungen zu sammeln, Probleme zu bewältigen und sich zu trennen und erneut zu finden. Wer also einen astreinen Wie-kamen-die-Beatles-zusammen-Film erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Obwohl ein durchweg ansprechender Soundtrack vorliegt, ist dieser auch weit davon entfernt eine Beatles-Hommage zu sein, vielmehr geht es um Zeitcolorit und so erklingen u.a. Elvis Presley, Wanda Jackson und Jerry Lee Lewis. Wer aber an einem sehr gut gespielten und kurzweilig erzählten Coming-of-Age-Drama, in welchem der Protagonist auch noch John Lennon heißt, interessiert ist, der wird bestens bedient werden.
Die biografischen Fakten, dass John Lennon bei seiner Tante Mimi und seinem Onkel George aufwuchs, seine leibliche Mutter Julia erst als Teenager kennen lernt, obwohl sie in der selben Stadt lebt, und der Abnabelungsprozess den jungen John gemeinsam mit Paul, George und den anderen nach Hamburg führen wird, sind längst bekannt und überall nachzulesen. Was es aber für einen Jungen bedeutet, seine Wurzeln nicht genau zu kennen, nach einem Halt im Leben zu suchen und neben dem Aufbegehren gegen Regeln und Konventionen seine Liebe zur Musik zu entdecken, das ist eine ganz eigene Geschichte.
So erzählt "Nowhere Boy" mindestens ebenso die Geschichte der beiden "Mütter" (Anne-Marie Duff als Lennons Mutter und vor allem Kristin Scott Thomas als Tante) von John Lennon, die ihn geprägt haben: Während Tante Mimi ihm ein Zuhause, Strenge, aber auch Beständigkeit bietet, ist seine Mutter Julia wie eine erfahrene, aber auch überdrehte Freundin inszeniert, und wenn John später zur Gitarre greift, will er nicht nur den gleichaltrigen, Elvis Presley anhimmelnden Mädchen gefallen, sondern vor allem seiner Mutter.
Regisseurin Sam Taylor-Wood ist eine bekannte Fotografin und so liefert Sie in ihrem Regiedebüt tadellose Bilder in einer vergleichsweise konventionellen Inszenierung ab. Alle Schauspieler machen ihre Sache sehr gut (z.B. der junge Thomas Sangster als milchgesichtiger Paul McCartney), so dass dem Betrachter ein mit der großen Gefühlspalette gemalter Film bleibt, der mit jedem (anschließend) gehörten Beatlessong nachwirkt.