... verabschiedet sich wohl hier für immer von der Musik, die sie zu großem Teil mitgeprägt haben. Neben Darkthrone, Enslaved, vielleicht Gorgoroth und Immortal (wenn man "revivals" mitzählt auch Celtic Frost) die ältesten und letzten Urgesteine, die den heutigen Black Metal nicht unbedingt erfunden aber doch heftig inspiriert haben, waren Satyricon eigentlich schon immer das Aushängeschild des extremen Black Metals, auch wenn sich einige der "Szene" mit dieser Aussage schwer tun dürften, haben sie doch einen Vertrag mit einem Major Label.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, das "Dark Medieval Times", "The Shadowthrone" und "Nemisis Divina" wohl zu den Top Black Metal Alben gehören dürften.
Aber auch die neuren Alben der Norweger hatten es in sich, das bewies nicht zuletzt der letzte Langspieler "Volcano", auf welchem man sich wieder weg vom technisch und komponistisch aufwändigen und äußerst kaltem Sound der "Rebel Extravaganza" in Richtung der "alten" Scheiben hinbewegte.
Das wird beim neuesten Album der beiden Hauptmusiker Satyr und Frost weiterverfolgt, wobei der Begriff Black Metal wohl nicht mehr zutrifft. Besonders der Opener und der zweite Song ("Now, Diabolical" und "K.I.N.G") stampfen, zerstören und mördern in feinster Black'n'Roll Manier, wobei man schon alleine von der Produktion sehr weit von der aktuellen Darkthrone entfernt ist.
Aber der Rest des Albums straft alle Lügen, die behaupten, dies sei ein reines Black'n'Roll Album.
Angefangen schon beim dritten Song "The Pentagramm Burns" offenbart sich das wirkliche Ausmaß des Albums. Hier wird ganz klassischer Trash/Speed (!) der späten achtziger und frühen neunziger mit Black-Metal anleihen, also dem typischen Satyricon-Sound und morderner Produktion, also hämmernder und stampfender Drums, sägend-wütende Gittaren (sehr oft zweistimmig) und wummerndem Bass mit vielen Breaks, einer relativ kleiner Anzahl von Riffs (zumindest für Satyricon Verhältnisse), etlicher Spielereien mit exzessiven Gebrauch der Toms und Snaredrums gepaart mit Slayer-Typischen Gitarrenabeit ("A New Enemy"), aber auch bedrückend knarrend und nachschnarrend wie Morbid Angel zu "Covenant"-Zeiten ("To The Mountain"); "Delirium" erinnert mich sogar teilweise an die fantastische "Odium" von Morgoth.
Selbstverständlich liegt aber hier kein Werk voller Plagiate vor, ich wollte nur in etwa skizzieren, mit welchen Albem ich dieses am ehesten vergleichen würde.
Da fällt es nicht schwer zu erkennen, das gerade für den Ausnahmedrummer Frost eine enorme Spielwiese entstanden ist. So gut er auch bei 1349 gefallen weiß, so sehr er bei Albem wie der "WW" von Gehenna überzeugt, seine Meisterleistungen ruft er immer wieder erst bei Satyricon so richtig ab.
Ganz im Stile von Dave Lombardo wird das ganze Schlagzeug ausgenutzt (und das ist wirklich nicht klein), wird bei langsamen Passagen fleisig mit High Hat und Toms gespielt, auch mal absichtlich gegen den Rhythmus. Fantastische Einleitungen (hört euch mal "To The Mountains" an), Hammerharte Trommelwirbel ("A New Enemy") und wirklich verdammt schnelles Drumming zeichnen ihn mal wieder über alle Maße aus (ja, ich bin ein Fan von dieser Art die Drums zu bedienen, wir hören ja schließlich Metal, oder?).
Und meiner Meinung klingt er Präziser als Dave Lombardo, das könnte aber auch an der Klasser Produktion liegen.
Aber auch Satyr zeigt, das er zu den besten (Metal-)Musikern der Welt gehört und schleudert uns wieder mit einer Leichtigkeit Wahnsinnsriffs um die Ohren, das einem die Spucke wegbleibt (der "neue" Thrash-Einfluss wundert mich bei solchen Riff-Maschinen ehrlich gesagt gar nicht so wirklich). Eine solche Wandlungsfähigkeit zwischen den einzelnen Songs hört man extrem selten, ohne das die betreffende Band in andere Musikstile abrutscht. Erstaunlich.
Aber trotz allem halte ich diese Album nicht für "Massentauglich" (was hat das eigentlich mit Metal zu tun), weil die beiden Norweger ähnlich wie Darkthrone keinen Cent auf Trends (auch wenn beide ein ähnlicher Album abgeliefert haben, man bemerke die Wiederholung der Ereignisse von vor 15 Jahren!!!) und spielen nur das nach denen ihnen gerade der Kopf steht. Und das können sie eindeutig, das hat nichts damit zu tun das sie den Fans sympathischer sind, weil sie in Luxus wohnen (was hat das mit der Musik zu tun?), wenn wir in solchen Standarts messen würden, sollten wir schleunigst zu den Mainstream Strömen HipHop oder Techno überwandern.
Aber lassen wir das. Fans der Band dürften das Album sowieso schon zuhause haben, Black Metal Anhänger sollten sich dieses Album zunächst mal in aller Ruhe anhören, aber auch Anhänger der alten Sepultura (also zu "Arise"-Zeiten), alten Slayer (so bis "Seasons In The Abyss") oder den Morbid Angel Teilen mit David Vincent sollten mal reintesten.
Mir persönlich gefällt diese Album sehr gut, weil ich quasi mit den eben genannten Bands und Sounds aufgewachsen bin und erst spät zum eigentlichen Black-Metal gewechselt bin, deswegen auch guten Thrash/Speed/Black-Metal vertragen kann. Und genau der liegt vor. Einfach Spitze.
Und keine Angst, Satyricon sind nicht in Richtung Mainstream abgerutscht, auch wenn hier und da mit solchen Ausdrücken um sich geworfen wird. Man merkt den Jungs eindeutig die Liebe zum Metal an und kann keine Vegleiche zu langweiligen Six Feet Under oder Dimmu Borgir Alben ziehen.
Wer wirklich dreckigen Black'n'Roll hören will, dem sei "The Cult Of Goliath" von Darkthrone empfohlen, oder das eine oder andere Album von Ajatarra (z.b. "Äpäre").
Mal sehen, was diese Album für Auswirkungen hat...