"Da komm ich her. Das feiert jährlich alle Neune.
Von dem ich weg will über selbsterdachte Zäune,
doch in verkehrten Schuhen dahinlaufe, wo ich heiße
und ruchbar bin für die zurückgelassene Scheiße."
Die 13 Sonette in diesem Band, herausgegeben 1993, schwanken zwischen Tristesse und Landschaftsmalerei. Starke lyrische Akzente und Bilder, wechseln sich mit unbedarften Ausfällen, Traktaten und verschlungenen (Selbst-)Betrachtungen ab. Das alles unter dem Zeichen (der Flagge) des Novembers.
"Auf alte Zeitung, die im Garten treibt, unstetig,
und sich an Dornen reißt, auf Suche nach Ästhetik,
schlägt wütig Gegenwart, ein rüder Hagelschauer;
November spottet aller Schönschrift Dauer."
Man könnte diese unsteten Reimprozedereprodukte als Cantos, als Gesänge bezeichnen, teilweise sehr klar, dann wieder sehr weit ab davon, sich zu erschließen. Auffallen tut auch ein divergieren zwischen Anspruch und einer fast schon rigoros beanspruchten Lustlosigkeit. Vielleicht das Beeindruckendste ist also die Ausdeut- und Wandelbarkeit dieser Texte.
"Kaum ausgeschwitzt, doch noch vom Brüllen heiser,
verhallt Gewalt, bellt leist und auf Verlangen leiser.
Kaum abgeklungen, schrumpft die Grippe zur Legende
und findet in der Talkshow prompt ihr gutes Ende:
ganz locker wird vom Hocker diskutiert,
warum der Mensch sich bei Gelegenheit vertiert."
Wie man diesen Versen sieht: Sprachbilder und Schablonen für vieles. In Sachen Gereimtes ist von Grass nichts Besseres zu bekommen. Ansonsten ist der Band
Ausgefragt zu empfehlen oder, für die Leser von sehr kurzen Gedichten, die schöne Sammlung
Fundsachen für Nichtleser.
Alle diese Sammlungen sind natürlich auch in
Sämtliche Gedichte enthalten.